Zuschuss ist keine freiwillige Leistung

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Diskussion um Pachtvertrag für das Wildeshauser Krandelstadion

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Wildeshausens Bürgermeister Jens Kuraschinski hat nach Informationen unserer Zeitung wegen der Corona-Krise eine Haushaltssperre erlassen. Damit sind geplante, nicht nicht begonnene Investitionen zunächst auf Eis gelegt. Die Stadtverwaltung reagiert damit auf die zu erwartenden finanziellen Mindereinnahmen und Belastungen aufgrund der Einschränkungen für die Wirtschaft. Nicht betroffen sind offenbar die Leistungen an Vereine und Organisationen. Dazu zählt auch der Pachtvertrag für die Krandelsportanlage. Der Vertrag mit dem VFL Wittekind soll jetzt angepasst werden. Weil der Rat aufgrund der Corona-Krise nicht tagt, soll der Beschluss durch den Verwaltungsausschuss erfolgen, der am kommenden Donnerstag, 23. April nicht öffentlich tagt.

Das Krandelstadion ist die zentrale Sportstätte in Wildeshausen. Der Hauptplatz und die Nebenplätze im hinteren Bereich dienen unter anderem den Fußballmannschaften des VfL Wittekind als Trainings- und Spielstätte. Seit rund drei Jahrzehnten hat der große Sportverein das Stadion von der Stadt gepachtet. Für einen symbolischen Pachtzins von 1 Euro pro Jahr. Dafür verpflichtet sich der Verein, die gesamt Anlage zu unterhalten und zu pflegen. Dazu zählen die Unterhaltung der Grünanlagen, der Spiel- und Trainingsplätze, des Maschinenparks oder Klein- und Schönheitsreparaturen. Für diese Unterhaltungsarbeiten erhält der Verein einen jährliche Zuschuss von der Stadt. Dieses Geld fließt an die eigens eingerichtete VfL Krandelverwaltung, um den wirtschaftlichen vom ideellen Vereinszweck zu trennen. So trägt der Verein unter anderem die Personalkosten für den Platzwart. Zusätzlich zum Zuschuss übernimmt die Stadt Wildeshausen die Kosten für Strom, Gas und Wasser.

Das Krandelstadion steht allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Wie auch dem Sponsorenlauf, der dort stattfindet. Archivfoto: Martin Siemer
Das Krandelstadion steht allen Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Wie auch dem Sponsorenlauf, der dort stattfindet. Archivfoto: Martin Siemer

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten präsentiert sich das Krandelstadion heute von seiner besten Seite. Es steht nicht nur den Sportlerinnen und Sportlern des VfL Wittekind zu Verfügung. Schulsport findet auf den Anlagen ebenso statt wie die jährliche Abnahme de Sportabzeichens, an der sich jeder Bürger oder jede Bürgerin beteiligen können. 2017 stellte sich heraus, dass die Zahlungen der Stadt Umsatzsteuerpflichtig sind. Damals erhielt der Verein 75.000 Euro pro Jahr. Durch die Umsatzsteuer verringerte sich der tatsächlich verfügbare Betrag. Deshalb wurde der Zuschuss auf 82.000 Euro angehoben. Jetzt ist eine erneute Anpassung vorgesehen. In den Jahren 2018 und 2019 hatte der Verein aufgrund der extremen Witterung einen erheblich höheren Pflegeaufwand für die Sportanlagen.

Der Ausschuss für Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Sport und Kultur empfahl nun eine Anhebung auf netto 85.000 Euro. Mit Umsatzsteuer stehen de VFL dann 101.150 Euro zur Verfügung. Das sorgte für Diskussionen in der Politik der Kreisstadt. Dabei geht es nicht um den Zuschuss als solchen. Jens-Peter Hennken (CDW) ärgert sich vielmehr über die Umsatzsteuerpflicht. Würde diese nicht anfallen, könnte die Stadt einen erheblichen Betrag einsparen sparen. Zumal im ersten Verwaltungsvorschlag nur eine Anhebung auf 95.000 Euro vorgesehen war.

Auch Hennkens Fraktionskollege Stefan Brors sieht den Zuschuss kritisch. In den drohenden Zeiten knapper Haushaltsmittel sei der VfL Wittekind dann der einzige Verein, der noch Gelder aus dem städtischen Haushalt bekommt. Dabei handelt es sich bei der Zahlung der Stadt an den VfL Wittekind allerdings nicht um eine freiwillige Leistung. Auf Basis des Pachtvertrages erbringt der Verein über seine Krandelverwaltung eine Dienstleistung. So, als hätte die Stadt einen Gartenbaubetrieb mit den Arbeiten beauftragt. Sollte die Stadt aufgrund sinkender Einnahmen ihre freiwilligen Leistungen zusammenstreichen, dann wäre auch der Vereinsbetrieb des VfL Wittekind von diesen Kürzungen betroffen.

Ob es möglicherweise wirtschaftlicher für die Stadt wäre, das Krandelstadion und die dazugehörigen Sportanlagen wieder in eigener Regie durch den Bauhof zu pflegen, dazu gibt es offenbar keine konkreten Berechnungen. Vor einigen Jahren hatte man zwar Überlegungen angestellt, weitere Aufgaben des städtischen Bauhofes zu privatisieren. Von diesem Schritt hatte man aber Abstand genommen, das sich dies als nicht wirtschaftlich erwies. Vor diesem Hintergrund würde eine Pflege durch den Bauhof vielleicht mehr Einsparpotenzial haben, zumal dann keine Umsatzsteuer anfällt.

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