Zusammen für ein Miteinander

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Frank und Nicolle Stauga kochen gegen die Krise und für Wildeshausen

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Am 18. März haben Nicolle und Frank Stauga den Schlüssel für das „Alte Amtshaus“ an der Herrlichkeit im Schatten der Alexanderkirche umgedreht. „Zum Schutz meiner super tollen Mitarbeiter und natürlich unser Freunde und Gäste“, schreib Stauga damals auf Facebook. Was blieb war eine gut bestückte Küche, in der er jede Menge an Vorräten gab. Nicht nur in Wildeshausen, sondern auch in Staugas Domschänke in Verden Die Vorräte weg zu schmeißen, das kam für das Gastronomiepaar nicht in Frage. Angesichts der Situation rund um die Ausbreitung von COVID-19 gibt es viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Zudem haben die Tafeln, die viele dieser Menschen versorgten, ihren Betrieb weitestgehend eingestellt.

Kurzerhand startet Frank Stauga am 21. März eine Aktion, die er „Zusammen für ein Miteinander“ nannte. Die Idee der Staugas: Aus den vorhandenen frischen Waren und weiteren Produkten Eintopfgerichte und andere Speisen zu kreieren und kostenlos abzugeben.

Frank Stauga füllt eine Portion Mittagessen in einen Topf und schiebt diesen dem Kunden entgegen. Foto: Martin Siemer
Frank Stauga füllt eine Portion Mittagessen in einen Topf und schiebt diesen dem Kunden entgegen. Foto: Martin Siemer

Am vergangenen Montag war es soweit, der erste Mittagstisch wurde vor dem „Alten Amtshaus“ serviert. Lumpenblechgemüse und einen Gemüseeintopf mit Schweinefleisch hatten Frank Stauga und sein Team zubereitet.

Und die Idee fand breiten Anklang. „Wir haben etwa 40 Essen hier ausgegeben und weitere 15 zu den Menschen nach Hause gebracht“, erzählte Nicolle Stauga am Nachmittag. Niemand brauchte dafür etwas zahlen. Die Aktion finanziert sich durch die beteiligten Unternehmen und Gastronomiebetriebe. Stauga prüft allerdings gerade, ob seine Hausbank ein Spendenkonto einrichtet. Das ist aber nicht der erste Ansatz. Die Hilfe steht im Mittelpunkt.

Bei der Ausgabe der Mahlzeiten werden die Hygienevorschriften streng beachtet. Wer sich sein Essen am „Alten Amtshaus“ abholt, der stellt ein mitgebrachtes Gefäß in einen Edelstahlbehälter. Frank Stauga oder Mitarbeiterin Maike Wieber ziehen den Behälter dann mit einer Stange über den Tisch, füllen den Topf mit dem Essen und schieben ihn dann zurück, ohne den Topf zu berühren. So wird der direkte Kontakt vermieden. Wer kein eigenes Behältnis dabei hat, der bekommt vor Ort etwas zur Verfügung gestellt.

Einer, der die Portionen zu den Menschen nach Hause bringt, ist Klaus Sekully. Er arbeitet eigentlich als Fotograf, hat angesichts der angespannten Situation aber auch gerade viel Zeit.

Nicolle Stauga schnippelt in der Küche vom Alten Amtshaus jede Menge Gemüse. FOTO: Frank Stauga
Nicolle Stauga schnippelt in der Küche vom Alten Amtshaus jede Menge Gemüse. FOTO: Frank Stauga

Auch die Mitglieder von Frank Staugas Gildeclub engagieren sich. „Wir hatten den Anruf einer Frau. Ihr Mann leidet an Demenz, sie selbst ist gesundheitlich schwer angeschlagen und kann sich deshalb nicht um die Versorgung kümmern.“ Stauga fragte seine Gildebrüder und schon war auch dieses Problem gelöst. Das Mittagessen wurden dem Paar bis zur Wohnung geliefert.

Inzwischen haben Nicolle und Frank Stauga viele Unterstützer gefunden. Die beiden Wildeshauser Bäcker Jochen Meyer und Wolfgang Kolloge sind mit dabei, ebenso der Hofladen Helms, der ohnehin viele Wildeshauser Gastronomiebetriebe beliefert. Die Fleischer Clemens Thale liefert Fleischwaren. Das Restaurant Bome, der Asia Imbiss der Familie Lee und die gerade erst eröffnete Pizzeria Italia liefern Produkte und Waren. Auch das E-Center von Olaf Einemann unterstützt die Aktion.

Mit seinem Team bereitet die Frank Stauga die Speisen in der Küche des Amtshauses vor. Ehefrau Nicolle macht sich beim Schnippeln von Gemüse nützlich. Das Angebot soll zunächst bis zum 18. April fortgeführt werden. Frank Stauga ist sich sicher, dass das dank der großen Unterstützung funktioniert. Die Hilfe könnte aber noch ausgeweitet werden. „Manuela Grube vom Café Schräubchen im Hagebaumarkt hat uns erzählt, dass die beiden Raststätten an der Autobahn geschlossen sind. Trotzdem sind da zahlreiche Lkw-Fahrer, viele aus Osteuropa. Die haben nicht einmal die Möglichkeit zu duschen “, sagte Nicolle Stauga. Manuela Grube hat deshalb am Dienstagmorgen belegte Brötchen zur Autobahn gebracht. Und das, obwohl Grube durch die Schließung des Baumarktes gerade selbst arge Sorgen hat. Die Staugas planen, mit einem Suppentopf zu den Raststätten zu fahren, damit die Fahrer wenigstens einmal am Tag eine warme Mahlzeit bekommen.

In derzeitigen schwierigen Situation ist die Aktion von Frank und Nicolle Stauga und ihren vielen Helfer ein kleiner Lichtblick, der sicherlich vielen Menschen ein wenig Hilfe gibt.

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