St.-Peter- und Hunteschule sollen umziehen

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Wildeshauser Stadtrat fällt knappe Entscheidung

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Selten waren die Sitzungen des Stadtrates und seiner Ausschüsse so gut besucht wie am Montagabend. Rund 100 Grundschülerinnen und Schüler der St.-Peter-Schule, begleitet von ihren Eltern, drängelte sich im Flur des historischen Rathauses und machten schweigend ihre Ablehnung gegen einen Umzug ihrer Schule deutlich. Auf ihren nach oben gestreckten Händen hatten sie Smileys mit heruntergezogenen Mundwinkeln gemalt.

Anlass des Protestes war die Sitzung des Schulausschusses und anschließend des Stadtrates, die als einzigen Sachpunkt auf der Tagesordnung des Tausch der Schulliegenschaften von St.-Peter-Schule und Hunteschule bereiten. In der Hunteschule werden derzeit in Trägerschaft des Landkreises die Schülerinnen und Schüler der Förderschule Lernen unterrichtet.

Auf ihren nach oben gestreckten Händen hatten die Grünschüler Smileys mit heruntergezogenen Mundwinkeln gemalt und machten damit ihre Ablehnung gegen einen Umzug ihrer Schule deutlich. Foto: Martin Siemer
Auf ihren nach oben gestreckten Händen hatten die Grünschüler Smileys mit heruntergezogenen Mundwinkeln gemalt und machten damit ihre Ablehnung gegen einen Umzug ihrer Schule deutlich. Foto: Martin Siemer

Letztlich votierten 18 der anwesenden 32 Ratsabgeordneten in geheimer Abstimmung für einen Umzug, 14 stimmten dagegen. Vor allem Abgeordnete von SPD, der Grünen und von Die Linke waren für den Tausch, aber auch Mitglieder der CDU-Fraktion. Hartmut Frerichs (SPD) hatte die geheime Abstimmung beantragt. Er berichtete davon, dass er im Vorfeld der Sitzung verbal angegriffen und beschimpft worden war.

Das der Umzug der St.-Peter-Schule ein sehr emotionales Thema ist, zeigte ich auch im großen Engagement der Eltern, die seit Monaten für den bisherigen Standort der Schule an der St.-Peter-Straße kämpfen. Ralf Menke, Vorsitzender des Stadtelternrates, kritisierte in der Sitzung des Schulausschusses, dass er als Mitglied im Ausschuss, wie auch die Lehrer- und Schülervertreter, nicht zu einer vorbereitenden Sitzung am vergangenen Sonnabend eingeladen waren. Dort stellte die Verwaltung den Abgeordneten des Stadtrates vor, was der Tausch der Schulen oder der Neubau einer Grundschule kosten würden. „Es stellt sich die Frage, ob unsere Mitarbeit überhaupt noch erwünscht ist“, kritisierte Menke. Bürgermeister Jens Kuraschinski wies auf die knappe Vorbereitungszeit hin und sagte auch weiterhin eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu.

Dipl. Ingenieur Andreas Hauth vom Wildeshauser Planungsbüro Rolwes-Hauth-Jacobi hatte die Zahlen zusammengetragen, bei denen es sich zumindest beim möglichen Neubau um Kostenschätzungen handelte. Den Bau einer zweizügigen Grundschule kalkuliert Hauth nach Erfahrungswerten auf rund 7,5 Millionen Euro. Die vierzügige Variante käme auf etwa 11,8 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind dabei Kosten für Grunderwerb und einen möglicherweise erforderlichen Architektenwettbewerb. Hinzuzurechnen sind die Kosten für eine Sporthalle, je nach Ausführung als Ein- oder Zweifeld-Halle zwischen 1,67 Millionen Euro und 3,22 Millionen Euro.

Dem gegenüber bezifferte Hauth die Investitionen in den Umbau und die Sanierung der Hunteschule an der Heemstraße auf rund 1,2 Millionen Euro. Zuzüglich 500.000 Euro für den Rückkauf der Hunteschule vom Landkreis. Für seine Berechnungen hatte er das sogenannte „Bremer Modell“ zugrunde gelegt, bei dem es zwischen zwei Klassenräumen einen multifunktionalen Gruppenraum gibt. Um die Vorgaben umzusetzen ist unter anderem ein Anbau notwendig, in den die bestehende Cafeteria umzieht. Außerdem wird für die Barrierefreiheit ein Fahrstuhl installiert.

Angesicht der angespannten Haushaltslage der Stadt Wildeshausen eigentlich eine klare Angelegenheit. Und dennoch gab es in den Reihen der Politikerinnen und Politiker Befürworter für einen Verbleib der St.-Peter-Schule am jetzigen Standort und gegen einen Tausch der Schulstandorte. Während Manfred Rebensburg (Grüne) davon ausgeht, dass die Hunteschule auf Dauer weniger Räume benötigt und die freiwerdenden von der Holbeinschule genutzt werden, sieht Günter Lübke (CDU) dies völlig anders. Sollte der Landkreis Oldenburg die Option ziehen und die Förderschulen weiter erhalten, rechnet Lübke damit, dass an der Hunteschule bis zum Schuljahr 2028 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden. Rebensburg wiederum warnte davor, dass der Neubau einer Grundschule zu einer Verdopplung der Verschuldung der Stadt führen werde.

Gab es im Schulausschuss bei der Abstimmung noch eine Patt-Situation von sechs Ja- und sechs Nein-Stimmen, änderten sich dies im Rat. Der mit Mehrheit getroffene Beschluss, die Schulstandorte zu tauschen ist auch ein Signal an den Landkreis. Dessen Schulausschuss befasste sich am Dienstagabend mit dem Thema Förderschulen im Landkreis.

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