Quarantäne in Bookholzberg beendet

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Bewohner der Seniorenresidenz Atrium wieder in Wildeshausen

Von Martin Siemer

Bookholzberg/Wildeshausen. Für acht Bewohnerinnen und Bewohner der Wildeshauser Seniorenresidenz Atrium am Wall ging am Dienstag eine vierwöchige Quarantäne zu Ende. Sie waren in dieser Zeit im Gästehaus des Berufsförderungswerk Weser-Ems in Bookholzberg untergebracht.

Notwendig wurde die Quarantäne, weil Ende März eine massive Corona-Infektion in der Wildeshauser Einrichtung festgestellt worden war. Am 26. März waren dort zwei Bewohner der Einrichtung bei einem Krankenhausaufenthalt positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Einer von beiden, ein 89-Jähriger Delmenhorster, der sich zur Kurzzeitpflege im Atrium aufhielt, verstarb am gleichen Tag.

Am 27. März nahmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts des Landkreises Oldenburg von allen 54 Bewohnerinnen und Bewohnern sowie dem anwesenden Personal einen Abstrich. Auch die nicht anwesenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden im Anschluss auf COVID-19 getestet. Das Ergebnis war ernüchternd. Bei 23 Bewohnern und 18 Mitarbeitenden gab es positive Befunde. „Ein erschreckendes Ergebnis, auch weil die Kreisverwaltung vorher keinerlei Hinweise erreicht haben“, heißt es aus dem Kreishaus.

Das Gesundheitsamt ordnete seinerzeit umgehend verschiedene Quarantäne- und Hygienemaßnahmen an. Darunter auch eine strenge „Kohortenbildung“. Dabei sollen die positiv getesteten Bewohner streng von den negativ getesteten getrennt werden, in ihren Zimmern verbleiben und dort von ebenfalls positiv getesteten Mitarbeitern versorgt werden.

Diese Vorgaben wurden offenbar nicht eingehalten. Denn bei einer erneuten Untersuchung am 1. April stellte man fest, dass inzwischen insgesamt 38 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 25 Mitarbeitende positiv auf COVID-19 getestet wurden. Der Landkreis Oldenburg veranlasste daraufhin am 2. April die sofortige Verlegung der verbliebenen 14 negativ getesteten Bewohnerinnen und Bewohner in das Berufsförderungswerk nach Bookholzberg. Sie wurden dort weiterhin unter Quarantäne gestellt und von negativ getestete Pflegekräften der Seniorenresidenz Atrium am Wall betreut.

Bevor die Senioren nun wieder nach Wildeshausen zurückkehren konnten, gab es mehrere Kontrolltestungen, bei der alle Ergebnisse negativ waren. Diese zusätzliche Probennahme gingen weit über die gesetzten Standards durch das Robert-Koch-Institut (RKI) und des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes drüber, teilte die Kreisverwaltung mit. In den Vorgaben ist eine 14-tägige Quarantäne vorgesehen, jedoch keine weitere Testreihen. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden noch einmal zu testen. Wir wollten die größtmögliche Gewissheit haben. 100-prozentige Sicherheit gibt es leider nie. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es leider Todesfälle zu beklagen gab“, sagte Landrat Carsten Harings. In Folge des Coronavirus-Ausbruchs in der Pflegeeinrichtung gab es insgesamt sieben Todesfälle, die mit einer COVID-19-Infektion in Verbindung stehen könnten. Der tatsächliche Nachweis der jeweiligen Todesursache liegt jedoch nicht vor.

Harings ist froh, dass die Seniorinnen und Senioren nun wieder nach Wildeshausen in ihre vertraute Umgebung zurückkehren konnten. „Ein sehr großer Dank geht ans das Pflegepersonal, bei dem immer das Wohl der Bewohner im Fokus stand und diese herausfordernde Situation mit großem Engagement gemeistert hat. Ebenso bedanke ich mich beim Berufsförderungswerk Weser-Ems für die große Unterstützung.“ Abgeschlossen ist der Fall damit allerdings noch nicht. Der Landkreis Oldenburg hatte am 4. April Strafanzeige gegen die Seniorenresidenz Atrium und deren Geschäftsführung gestellt. Die Kreisverwaltung begründete die Anzeige seinerzeit mit „groben Verstößen der Einrichtung gegen detaillierte Auflagen, die auf Basis des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) explizit für das Atrium am Wall am 29.03.2020 verordnet worden sind.“ Thomas Münch Geschäftsführer der Seniorenresidenz, hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Allerdings stellte die Geschäftsführung den Leiter der Einrichtung, Knuth Maier-Preuß, vom Dienst frei. Ihm werden offenbar die Verfehlungen angelastet. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg teilte Donnerstag auf Nachfrage mit, dass die Ermittlungen zurzeit noch laufen.

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