Kaputtes muss nicht auf den Müll

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Repair-Cafés im Landkreis Oldenburg sorgen für Nachhaltigkeit und Kommunikation

Von Martin Siemer

Wildeshausen. In Huntlosen gibt es schon ein Repair-Café, in Ganderkesee ebenfalls. Am 10. Februar soll es nun auch eines in Wildeshausen geben. Das haben Anna-Lena Sauer vom Landkreis Oldenburg sowie Imke Schmidt und Roni Moklaschi vom Jugendzentrum „JottZett“ so geplant. Zur Vorbereitung gibt es am Mittwoch, 17. Januar um 18 Uhr einen Informationsabend im Jugendzentrum im Ida-Nieberding-Haus an der Wittekindstraße 9.
„Die Idee der Repair-Cafés stammt aus den Niederladen“, erzählt Anna-Lena Sauer am Dienstagnachmittag. Die Journalistin und Bloggerin Martine Postma gründete dort im Jahr 2009 das erste Repair-Café. Ihre Idee fand ein enormes Echo, die Bewegung wurde immer größer. Schließlich gründete Martine Postma eigens eine Stiftung. Und auch in Deutschland findet das „Reparieren satt entsorgen“ immer mehr Anhänger. 580 Initiativen gibt es hierzulande, die erste entstand in Köln. „Die meisten findet man allerdings in Großstädten“, weiß Sauer. Zumindest im Landkreis Oldenburg möchte sie das ändern.

Die Premiere in Huntlosen war ein voller Erfolg. Fünf Ehrenamtliche hatten sich eingefunden, um Geräte oder kleinere Möbel, die Besucher mitbrachten zu reparieren. Auch Kleidung wurde geflickt.
Für Wildeshausen gibt es bislang etwa zehn Ehrenamtliche, die mitmachen wollen. Darunter ein Schulhausmeister, die ja meistens Alleskönner sind. Aber auch drei Elektroniker, die sich zum Beispiel mit elektrischen und elektronischen Geräten auskennen. Und auch Fachleute für die Fahrradreparatur haben bereits zugesagt.
„Über dem ganzen steht die Hilfe zur Selbsthilfe. Dinge sollen gemeinsam repariert werden“; sagt Anna-Lena Sauer. Die Repair-Cafés sollen sich auch zu einem Treffpunkt entwickeln. Deshalb wird auch Kaffee und Kuchen angeboten. In lockerer Atmosphäre kann so geklönt und gefachsimpelt werden.
Viele Dinge des täglichen Lebens, die ihren Dienst versagen, sind längst noch kein Fall für die Mülltonne. Oftmals sind es nur Kleinigkeiten, die behoben werden müssen, und das Gerät tut wieder das, was es soll. Wie das ferngesteuerte Auto von Imke Schmidt Sohn. „Das Auto hat richtig dicke Reifen für das Gelände. Es läuft aber nicht mehr. Deshalb hab ich mich als Erste für das Repair-Café angemeldet“, sagt Schmidt und lacht. „Ich schaue sowieso bei allen Geräten, die nicht mehr funktionieren, ob ich das nicht irgendwie hinbekomme. Wenn etwas wirklich kaputt ist, dann ist es kaputt, da kann man auch nichts mehr falsch machen“, erzählt ihr Kollege Roni Moklaschi.
Im Repair-Café sollen aber nicht nur technische Dinge instandgesetzt werden. Auch eine Schrankschublade, die aus dem Leim gegangen ist, kann wieder ganz werden. Oder der Riss in einer Hose wird beseitigt. „Dazu bieten wir auch einen Kleidertauschtisch an. Dort hat jeder die Möglichkeit, Kleidung, die man nicht mehr trägt, gegen ein anderes Stück zu tauschen“, erläutert Sauer. Gleiches gilt für den Büchertisch. Hier kann man ausgelesene Schmöker gegen neues Lesefutter eintauschen.
Neben dem Reparieren gibt es aber auch noch das sogenannte „Upcycling“, dem Wiederverwerten von Abfallprodukten. Jeder kennt wohl die Möbel, die aus alten Holzpaletten entstehen und die sie derzeit einer großen Beliebtheit erfreuen. Das JottZett bietet im Repair-Café Upcycling im Kleinen an. „Wir wollen zeigen, was man aus alten Dosen machen kann“; verspricht Imke Schmidt.
Beim Repair-Café ist jeder willkommen. Sei es als Gast und Besucher oder als jemand, der Dinge reparieren kann. Gerade bei den technischen Dinge wird aber darauf geachtet, dass sich damit Fachleute beschäftigen. Vor möglichen Haftungsschäden braucht aber niemand Angst haben „Es gibt über das bundesweite 'Netzwerk Reparatur Initiativen' eine Rahmenversicherung für die Repair-Cafés“, erklärt Anna-Lena Sauer.
Sie ist auch die Ansprechpartnerin für Menschen, die möglicherweise als „Reparateure“ im Repair-Café mitmachen möchten. Anna-Lena Sauer ist im Kreishaus in Wildeshausen unter der Telefonnummer 04431 / 85591 oder per E-Mail an zu erreichen. Auch im JottZett kann man sich unter der Telefonnummer 04431 / 5868 über das Repair-Café informieren, das am Sonnabend, 10. Februar von 15 bis 18 Uhr geöffnet hat.

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