Innenstädte wandeln sich

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In Wildeshausen haben manche die Zeichen der Zeit erkannt

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Ende September schließt Beate Mester ihr Geschäft „Wohngefühl“ in der Westerstraße. „Es fehlt leider die Kundenfrequenz, ich habe zu wenig zu tun“, erzählt sie.
In den Sozialen Netzwerken wurde die Ankündigung, dass Wohngefühl schließt, bedauert. Viele fragten nach dem „Warum“ und weshalb“. Eine Facebook-Nutzerin brachte es schließlich auf den Punkt: “Weil viele hier nur noch im Internet kaufen und nicht mehr in ihrer eigenen Stadt.“
Eine Aussage, die Johannes Lenzschau, Einzelhändler und Vorsitzender des Handels- und Gewerbevereins (HGV) bestätigt. „Waren gibt es überall, nicht nur im Internet sondern auch in den Outlet-Centern auf der grünen Wiese. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die Kunden in die Stadt kommen, weil sie sich hier wohlfühlen. Einfach nur die Tür vom Laden aufmachen, reicht nicht mehr“, sagt Lenzschau.
Mit „Wir“ meint er nicht nur seine Händlerkollegen. Handel, Dienstleistung, Gastronomie, Politik und Stadtverwaltung müssen an einem Strang ziehen. „In Wildeshausen sind die ersten Schritte in die richtige Richtung gemacht worden. Jetzt geht es an die Umsetzung.“
Zu den ersten Schritten gehört auch die Stadtmarketingbeauftragte in der Verwaltung. Seit 2014 nimmt Daniela Baron diese Aufgabe wahr und hat schon einiges bewegt.

Das Quartier um das alte Feuerwehrhaus an der Hunte spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Wildeshauser Innenstadt. Foto: Martin Siemer
Das Quartier um das alte Feuerwehrhaus an der Hunte spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Wildeshauser Innenstadt. Foto: Martin Siemer

Mit „Wildeshausen 2030“ wurde ein Zukunftsprojekt angeschoben, bei dem viele Akteure aus den verschiedensten Bereichen mitarbeiten. Besonders im touristischen Bereich sieht Daniela Baron Entwicklungsmöglichkeiten. „Der Tourismus in Wildeshausen ist deutlich unterentwickelt. Wir verzeichnen etwa 1,5 Übernachten pro Einwohner. Im Landesdurchschnitt sind drei Übernachtungen“, berichtet Baron. Die wirtschaftlichen Effekte, die durch mehr Gäste in der Stadt entstehen, seien nicht zu verachten. Eine erhöhte touristische Frequenz wäre auch der Schlüssel für den Einzelhandel. „Wichtig ist, dass das Gesamtpaket aus Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Freizeitangeboten funktioniert. Grundsätzlich glaube ich, dass wir das von innen heraus schaffen können“, ist Baron zuversichtlich.
Angedacht sind mehrere Quartierskonzepte, die zu einer Attraktivitätssteigerung Wildeshausens beitragen sollen. Eines dieser Quartiere ist der Bereich zwischen Alexanderkirche / Altem Amtshaus, der Huntestraße und dem Huntetor.
Gerade in der Huntestraße sieht Daniela Baron deutlichen Handlungsbedarf. Dort, wo einst Einzelhandelsgeschäfte Tür an Tür zu finden waren, gibt es heute Billigläden und Telefonshops. „Im Moment ist es unheimlich schwer, dort neue Betriebe anzusiedeln.“ Das Quartierskonzept für diesen Bereich könnte besondere Läden vorsehen, handwerkliche Unternehmen wie Schmuckdesigner oder Schneider, die nicht nur Handel treiben, sondern im Laden auch handwerklich arbeiten.
„Wenn dieses Konzept steht, dann müssen wir mit den Eigentümern der Immobilien sprechen“, sagte Baron.
Mit solch einer attraktiven Ladenstraße sollen die Besucher Wildeshausens auch länger in der Stadt gehalten werden. Dazu gehört aber auch ein entsprechendes gastronomisches Angebot. „Einige meiner Kollegen könnten deutlich aktiver sein“, weiß Frank Stauga, Inhaber und Wirt vom „Alten Amtshaus“ und Sprecher der Wildeshauser Gastrorunde. Es seien immer dieselben Akteure, die Aktionen anschieben.
Bei all den Aufgaben, die es in den kommenden Jahren zu bewältigen gibt, ist sich Daniela Baron jedoch sicher: „Wildeshausen steht als Kreisstadt noch gut da.“

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