In Wildeshausen manchmal kein Durchkommen

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Nicht nur Menschen mit Handicap wünschen sich mehr Barrierefreiheit

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Wer auf einen Rollator oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen ist, der hat im Moment in Wildeshausens Innenstadt jede Menge Platz. Angesichts der Corona-Ausbreitung haben Cafés und Eisdielen ihren draußen stehenden Tischen zusammen gestellt. Modegeschäfte sind geschlossen, auf den Gehwegen sind keine Bekleidungsständer oder Werbetafeln mehr zu finden.

Soviel Platz wie jetzt wünscht sich Mario Bögemann, Sprecher des „Stadtforums – Sprachrohr für Menschen mit Behinderung“, auch in „normalen“ Zeiten. „Es muss auf jeden Fall etwas gemacht werden“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem wünscht er sich mehr barrierefrei Zugänge zu Geschäften. „In manche kommt ein Rollstuhlfahrer nicht hinein, weil es Treppenstufen gibt“, erzählt er aus eigener Erfahrung. Ihm ist aber auch bewusst, dass eine Barrierefreiheit baulich nicht immer leicht umzusetzen ist.

Der Corona-Virus machts möglich: Viel Platz für Menschen mit Handicap. Viele Cafés und Eisdielen haben die Stühle zusammengestellt. Foto: Martin Siemer

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Sport und Kultur hatte sich Anfang März mit der Neufassung der Satzung über Sondernutzungen an Gemeindestraßen beschäftigt. Während der Einwohnerfragestunde der Sitzung hatte sich auch Wilfried Papenhusen zu diesem Thema erkundigt. Er kritisierte vor allem die beengten Platzverhältnisse au den Wegen vor den Geschäften. Diese Wege seien oft durch sogenannte Kundenstopper ,Werbetafeln oder Bekleidungsständer eingeschränkt nutzbar. Auch gibt es an warmen Tagen im Bereich der Cafés und Eisdielen kaum ein Durchkommen. „Gilt diese Satzung mit mindestens 1,5 Meter Durchgangsbreite allgemein, oder gibt es großzügige Ausnahmen“, fragte Papenhusen während der Sitzung. Er war vor geraumer Zeit selbst auf Krücken angewiesen und hatte damals erhebliche Probleme in der Wildeshauser Innenstadt.

Bürgermeister Jens Kuraschinski betonte die Allgemeinverbindlichkeit der Satzung. „Jedermann muss sich daran halten.“ Ob es Ausnahmegenehmigungen gibt, das vermochte Kuraschinski während der Sitzung nicht zu bestätigen. Dass sich mit ein wenig Phantasie und gutem Willen ein Zugang barrierefrei gestalten lässt, das hat Mario Bögemann bei einem Gasthof in der Region erlebt. „Der Inhaber hat im Außenbereich eine Rampe installiert und auch den Zugang zum Saal ist barrierefrei“, lobt Bögemann.

Der Fachausschuss der Stadt Wildeshausen verabschiedete die Neugestaltung der Satzung. Auch darin wird explizit die Warenauslage bei den Geschäften au Gehwegen oder in verkehrsberuhigten Bereichen hingewiesen. Das betrifft vor allem die Wildeshauser Innenstadt. Dazu zählen Produkte auf Warentischen, Warenständern oder in Vitrinen. Sie dürfen jedoch einen Quadratmeter je laufenden Meter Geschäftsfront nicht überschreiten. Zudem dürfen die Warenauslagen nicht höher als zwei Meter hoch sein. Für die Fußgänger müssen auf den Gehwegen barrierefreie Durchgänge von mindestens zwei Metern, in den verkehrsberuhigten Bereichen von mindestens 1,5 Meter frei bleiben. Daran müssen sich die Geschäftsleute halten. Und auch daran, wie groß die Werbeobjekte sind, die sie außerhalb des Geschäfts aufstellen. Diese mobilen Werbetafeln wie Straßenaufsteller, Klappschilder oder Plakatständer dürfen maximal ein mal ein Meter groß sein. Und auch für diese Objekte gilt, dass ein barrierefreier Durchgang vorhanden ist.

Geregelt sind auch die Vorgaben für die Außengastronomie von Cafés, Eisdielen oder Bistros. So muss in der Westerstraße und Huntestraße der optisch abgegrenzte Fahrbahnstreifen inklusive der blauen Basalteinfassung frei bleiben. Es gilt ebenfalls die barrierefreie Durchgangsbreite von 1,5 Metern. Ob sich alle Gastronomen und Händler an diese Vorgaben halten, dass wird die Stadt künftig überprüfen müssen. Denn leere Straßen, Cafés und Geschäfte wird es nur während der Corona-Zeit geben. Danach wird sich das Bild vermutlich wieder ändern. Und Menschen wie Mario Bögemann oder Wilfried Papenhusen werden wieder Probleme mit der Barrierefreiheit bekommen.

„Es hat sich Jahrzehntelang niemand wirklich darum gekümmert“, sagte Bögemann. Während es in fast allen anderen Kommunen des Landkreises Behindertenbeiräte oder ähnliche Gremien gibt, wurde das in seinen Augen in Wildeshausen lange Zeit vernachlässigt. Das Stadtforum will sich dem Thema jetzt verstärkt widmen.

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