Ein nachahmenswertes Beispiel

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Jasper Damke erhält den Zivilcouragepreis der Stadt Wildeshausen

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Hinschauen, hinhören, handeln, das sind die Grundsätze von Zivilcourage. Und nach eben diesen Grundsätzen handelte der heute 17-Jährige Jasper Damke aus Ostrittrum im vergangenen Jahr. Für sein couragiertes Eingreifen an der Bushaltestelle der Realschule Wildeshausen wurde der aus Dötlingen stammende junge Mann am Freitagmorgen mit dem Zivilcouragepreis der Stadt Wildeshausen ausgezeichnet. Bürgermeister Jens Kuraschinski und die neue Leiterin des Wildeshauser Polizeikommissariats, Gerke Stüven, überreichten Jasper Damke den Zivilcouragepreis in Form einer Urkunde und als Präsent einen Gutschein für einen Segelflug.

Jasper Damke (Mitte) nahm den Zivilcouragepreis aus den Händen von Jens Kuraschinski (links) und Gerke Stüven entgegen. Foto: Martin Siemer
Jasper Damke (Mitte) nahm den Zivilcouragepreis aus den Händen von Jens Kuraschinski (links) und Gerke Stüven entgegen. Foto: Martin Siemer

Am 27. Februar 2017 stand er mit mehreren Mitschülern an der Haltestelle an der Realschule und wartete auf den Bus, der in und die anderen nach Hause fährt. Wie so oft herrschte Gedränge, was wiederum den Busfahrer erboste. Er schimpfte und schnauzte die Schüler an. Als der damals 13-Jährige Matthew Wollin zu schlichten versuchte, wurde er vom Busfahrer aufs Übelste beschimpft und beleidigt. Teilweise ging er den dunkelhäutigen Jungen mit rassistischen Sprüchen an.

Jasper Damke bekam diese Situation mit und er realisierte sehr schnell, dass er der älteste Schüler vor Ort war und handeln musste „Ich war zunächst sehr geschockt über das, was ich hörte. Als ich dann auf den Busfahrer zuging und ihn ansprach, beschimpfte mich dieser ebenfalls“, berichtete der Preisträger während der Feierstunde im Stadthaus. Damke holte daraufhin eine Lehrkraft. Als der Busfahrer dies wahrnahm, schloss er die Türen seines Fahrzeugs und fuhr weg.

„Der Vorgang hatte für den Mann allerdings ein juristisches Nachspiel“, berichtete Polizeikommissar Martin Klinger, Leiter des Arbeitskreises Verkehrssicherheit und Zivilcourage im Präventionsrat. Der Busfahrer wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem hatte er 150 Euro an den Kinderschutzbund Oldenburg zahlen und verlor obendrein seine Arbeitsstelle. Jan Pössel, Schulleiter der Realschule, zollte einem ehemaligen Schüler Respekt. „Viele Leute, auch in meinem Alter hätten wohl nicht so gehandelt.“

Matthew Wollin sei ein großer kräftiger Junge, der sich durchaus zu helfen wisse. „Ich habe Tag nach dem Vorfall mit ihm gesprochen. Es war offensichtlich, dass ihn die Beleidigungen im Kern getroffen haben,“ erinnerte sich Pössel. Der Busfahrer habe in einer Form agiert, die nicht akzeptabel sei. Pössel berichtete, dass an der Realschule heute Schülerinnen und Schüler aus über 30 Nationen unterrichtet werden. „Für uns ist wichtig, dass wir solche Schüler wie Jasper haben. Rassismus ist kein Kavaliersdelikt. Rassismus gilt es zu verfolgen und zu ahnden“, betonte der Schulleiter.

Martin Klinger nutzte die Preisverleihung, um eine Lanze für junge Menschen zu brechen. „Ich persönlich kenne viele Jugendlichen, die sich sehr engagieren.“ Insgesamt sei es die Aufgabe aller, sich in die Gesellschaft einzubringen. „Man darf Demokratie nicht als Selbstverständnis ansehen. Wir müssen etwas dafür tun“, hob Klinger hervor.

„Zivilcourage zu seinen ist gar nicht schwer“, pflichtete auch Jens Kuraschinski bei. Jeder von uns könne etwas dazu beitragen. „Es ist nicht allein an der Polizei, für unsere Sicherheit zu sorgen“, sagte der Bürgermeister. Um in bestimmten Situationen einzuschreiten bedarf es keiner Uniform. „Jeder kann tätig werden“. Polizeirätin Gerke Stüven freute sich, dass eine ihrer ersten Amtshandlungen als neue Leiterin des Polizeikommissariats Wildeshausen die Verleihung des Zivilcouragepreises sei. Und sie nutzte die Gelegenheit, um bei Jasper Damke für den Polizeiberuf zu werben. „Wenn Sie nach der Schule noch nicht genau wissen was sie machen wollen, vielleicht wäre bis dahin ein Praktikum bei uns etwas.

Für Jasper Damke war der feierliche Rahmen im Sitzungsaal des Stadthauses eine Überraschung. Ich dachte zuerst, ich wäre im falschen Zimmer“, sagte er. Bislang habe er sich nur im Freundeskreis für andere engagiert. „Matthew kannte ich vorher nicht, das war für mich auch eine neue Situation.“

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