Der Zug der Zeit

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Vor 150 Jahren kam die Eisenbahn ins Oldenburger Land

Von Martin Siemer

Wildeshausen/Cloppenburg. Als im Jahr 1867 im Herzogtum Oldenburg der Eisenbahnverkehr aufgenommen wurde, da war das übrige Europa bereits großflächig mit einem Schienennetz überzogen. Auch wenn das Oldenburger Land als einer der letzten Bundesstaaten einen Eisenbahnanschluss erhielt, der Entwicklung der Region tat das keinen Abbruch. Davon zeugen gleich zwei Ausstellungen im Museumsdorf Cloppenburg und im Stadtmuseum Oldenburg mit dem Titel „Höchste Eisenbahn“.
Florian Nikolaus Reiß, Kurator beim Museumsdorf Cloppenburg, hatte die Idee zur Ausstellung 150 Jahre Eisenbahn in Oldenburg“ vor gut drei Jahren. „Ich hatte das Jubiläum schon im Blick, auch weil mir die Bedeutung der Eisenbahn für die Region bewusst war“, erzählte Reiß bei einem Werkstattgespräch am Mittwochmorgen in der Wildeshauser Gildebuchhandlung. Denn zur Ausstellung ist ein Katalog, ja mehr schon ein umfassendes Buch erschienen, in welchem die Geschichte der Eisenbahn im Oldenburger Land aufgezeichnet ist.

Zur Ausstellung ist ein umfassendes Buch erschienen, in welchem die Geschichte der Eisenbahn im Oldenburger Land aufgezeichnet ist und in dem viele historische Aufnahmen zu finden sind. Foto: Archiv Museumsdorf Cloppenburg
Zur Ausstellung ist ein umfassendes Buch erschienen, in welchem die Geschichte der Eisenbahn im Oldenburger Land aufgezeichnet ist und in dem viele historische Aufnahmen zu finden sind. Foto: Archiv Museumsdorf Cloppenburg

Zu den Autoren gehört der Wildeshauser Werner Stommel. Er hat einen ganze besonderen Bezug zur Eisenbahn. Denn Stommel setzte sich von 1986 über 14 Jahre für den Erhalt der Bahnstrecke Hesepe – Delmenhorst ein, die auch über Wildeshausen führt.
Bei seiner Arbeit für das Buch stellte Stommel eines erstaunt fest. „Als ich mir die Texte anderer Autoren durchlas, bemerkte ich, dass es viele Argumente, die es gegen den Erhalt der Bahnlinie von Osnabrück nach Bremen gab auch schon bei der Gründung der Großherzöglichen Oldenburgischen Eisenbahn gab, zu unwirtschaftlich, kein Bedarf, nicht genügend Fahrgäste.“
Ende 1988 hatte die Bahn die Vorbereitungen für Abwicklung und Stilllegung der Strecke bereits abgeschlossen. „1989 musste nur noch der damalige Verkehrsminister Friedrich Zimmermann die entsprechende Beschlüsse unterschreiben“, erinnerte sich Stommel. Diese Unterschrift zögerte sich jedoch hinaus. 1990 kam die deutsche Wiedervereinigung und die Karten wurden neu gemischt. „Auf einmal gab es in Deutschland zwei Staatsbahnen, das Grundgesetzes wurde geändert und die Zuständigkeit für den Nahverkehr fiel wieder an die Länder.“ Die von vielen längst totgesagte Strecke von Osnabrück über Hesepe nach Delmenhorst und weiter nach Bremen wurde von der NordwestBahn übernommen und bringt heute viele Fahrgäste auf die Schiene.

Dr. Uwe Meiners. Werner Stommel, Florian Nikolaus Reiß und Peter H. Gebhardt (Gildebuchhandlung, von rechts) stellten das Buch zur Ausstellung vor. Foto: Martin Siemer
Dr. Uwe Meiners. Werner Stommel, Florian Nikolaus Reiß und Peter H. Gebhardt (Gildebuchhandlung, von rechts) stellten das Buch zur Ausstellung vor. Foto: Martin Siemer

Die Ausstellung im Museumsdorf Cloppenburg ist als Zeitstrahl aufgebaut. „Wir haben das Ganze aus Sicht des Nutzers in Szene gesetzt“, erläutert Prof. Dr. Uwe Meiners, Direktor des Museumsdorfes. In der Ausstellungshalle wurde ein Gleis verlegt, an welchem die Besucher die Geschichte der Eisenbahn im Oldenburger Land verfolgen können. Passend dazu sind Figuren der jeweiligen Epoche am Bahnsteig zu sehen. Da ist der Landwirt, der sein Schlachtvieh mit der Eisenbahn transportieren lässt, der Schüler, der zu Schule in der nächsten größeren Stadt unterwegs ist oder die Wochenendausflügler, die die Sommerfrische genießen. Doch nicht jede Fahrt mit der Bahn diente damals dem Vergnügen oder der Arbeit. Auch die Zeit des Nationalsozialismus wird nicht ausgespart. Soldaten die an die Front fahren, Juden, Sinti oder Roma, die in die Konzentrationslager transportiert wurden.
„Gern hätten wir auch die Lok „Landwürden“ in unserer Ausstellung gehabt. Diese fuhr damals durch das Oldenburger Land und steht heute im Deutschen Museum in München“, sagte Florian Nikolaus Reiß. Um die Lok aus der Ausstellung zu bekommen, hätte allerdings das Dach der dortigen Halle abgenommen werden müssen, ein unverhältnismäßiger Aufwand. Aber auch ohne echte Lok gibt es in Cloppenburg und Oldenburg viel zu sehen und zu erleben.
Im Stadtmuseum in Oldenburg ist die Ausstellung noch bis zum September zu sehen, im Museumsdorf Cloppenburg bis zum 5. November. Das Buch zu Ausstellung ist im Buchhandel erhältlich.

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