Denkmalsschutz braucht Leidenschaft und Geld

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Über den Erhalt historischer Bauten in Wildeshausen wird kontrovers diskutiert

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Das Huder Zollhaus in der Huntestraße musste schon vor Jahrzehnten einem schlichten 70er-Jahre Bau weichen. Die Fassade des Hotels Stegemann, die über Generationen das Stadtbild prägte, verschwand ebenso. Jetzt könnte es die alte Lohgerberei Benecke treffen. Und auch der Alte Wittekind, eine Gaststätte in Wildeshauser Stadtteil Zwischenbrücken soll einem Neubau weichen. Wurde früher nicht viel Aufhebens um den Abriss alter Bausubstanzen gemacht, regt sich seit geraumer Zeit Widerstand bei den Bürgerinnen und Bürgern in der Huntestadt. Sie wollen die teils historischen Bauten erhalten und damit auch den Charme ihrer Stadt. Geglückt ist das im vergangenen Jahr beim geplanten Neubau am Marktplatz, den der Investor zu den Akten legte. Die Häuser wurden dann von zwei Wildeshausern gekauft und sollen so erhalten bleiben.

Der Alte Wittekind soll bald verschwinden. Der geplante Abriss gibt erneut Anlass zur Diskussion über den Umgang mit alter Baussubstanz. Foto: Privat
Der Alte Wittekind soll bald verschwinden. Der geplante Abriss gibt erneut Anlass zur Diskussion über den Umgang mit alter Baussubstanz. Foto: Privat

Besonders die UWG im Stadtrat, aber auch viele Wildeshauser Bürgerinnen und Bürger hatten erfolgreich für den Erhalt der Häuser am Marktplatz gekämpft. Die UWG übt auch Kritik am geplanten Abriss des „Alten Wittekind“, der jetzt vom Fachausschuss des Stadtrates genehmigt wurde. „Aufgrund der in dem Bereich geltenden Erhaltungssatzung hätte ein Abriss untersagt werden können, schreibt die UWG in einer Presseerklärung. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass unsere Verwaltung keinen Wert auf den Erhalt unserer alten Stadt legt und nur noch die wirtschaftlichen Interessen etwaiger Investoren vertritt“, sorgt sich UWG-Ratsherr Wolfgang Däubler. „Das ist sehr schade“, ergänzt sein Fraktionskollege Rainer Kolloge, „aber irgendwie typisch für Wildeshausen. Dabei sehen wir gerade bei dem neuen Vorhaben am Marktplatz, dass es auch anders gehen kann.“ Dort ist jetzt ein Neubau geplant, der sich an die Umgebungsbebauung anpasst. Dass man alten sanierungsbedürftigen Gebäude durchaus neues Leben einhauchen kann zeigt sich im Quartier an der Alexanderkirche. In der Kirchstraße hat Architekt Stephan Damke das alte „Schulte-Haus“ aufwendig saniert. Gleich um die Ecke, in der Grüne Straße, hat Timo Poppe auf dem Grundstück seiner Großeltern den dortigen Fachwerkspeicher restaurieren lassen. Beide Gebäude stehen unter Denkmalsschutz, so dass die Denkmalschutzbehörde ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. „Wir versuchen gemeinsam mit dem Eigentümer zu beraten. Dabei kann es durchaus auch Kompromisse geben, die wir zulassen“, erklärt Stefan Effenberger. Er ist beim Landkreis Oldenburg für den Denkmalsschutz zuständig. Immer noch haftet der Denkmalbehörde der Ruf des Verhinderns an. Zu Unrecht wie Effenberger und Peter Nieslony, Leiter des Bauamtes beim Landkreis, finden. „Wir wollen nicht nur reglementieren, sondern den Spagat schaffen zwischen Erhalten und Schützen. Wir müssen die Leute mitnehmen, sonst verlieren wir diese“, betont Nieslony. Er weiß aber auch, dass für den Erhalt historischer Bauten zwei Dinge zusammen kommen müssen: Leidenschaft und Geld. Wobei eine Sanierung unter Berücksichtigung der Vorgaben der Denkmalschutzbehörde nicht durchweg teurer sein muss. „Wenn man eine Hohlpfanne in Natur rot verwendet, muss die nicht teurer sein als eine schwarz glasierte Betonpfanne“, weiß Effenberger aus Erfahrung. Und durch den Monumentendienst erfahren die Eigentümer auch eine langfristige Unterstützung beim Erhalt ihrer historischen Bauten. Auf mögliche Baudenkmäler wird Stefan Effenberger unter anderem durch Bauvoranfragen aufmerksam. Gelegentlich gibt es auch Anfragen, teils mit Fotos. „“Man fährt dann raus, schaut sich das an und wenn es ein Baudenkmal ist, dann werden der Eigentümer und die Landesdenkmalpflege informiert“, erläutert Effenberger den Ablauf. Letztendlich muss der Eigentümer aber immer noch dem Status des Baudenkmals zustimmen. „Daraus kann immer auch ein Streit entstehen, wenn der Grundstückseigentümer diese Denkmaleigenschaft nicht will“, ergänzt Peter Nieslony. Wer jedoch von sich aus schon ein historisches Gebäude erhalten will, der rennt bei den Denkmalschützern offene Türen ein. „Zum Glück haben wir in der Region viele denkmalafine Architekten und auch Handwerker“, sagte der Bauamtsleiter. Sie haben unter anderem dafür gesorgt, dass das alte Stellwerk am Bahnhof Ahlhorn heute im neuen Glanz erstrahlt. Und auch der Bahnhof in Wildeshausen ist wieder ein Schmuckstück am Eingang zur Stadt.

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