Amtsgericht geht zur Schule

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Neues Konzept soll frühzeitig bei Schulverweigerung greifen

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Neue Wege beschreitet das Amtsgericht Wildeshausen beim Thema Schulabsentismus und Schulverweigerung. Dr. Detlev Lauhöfer, Direktor des Amtsgerichts und Ann-Katrin von der Heide, Jugendrichterin am Amtsgericht, stellten am Donnerstagmorgen ein neues Konzept vor, dass von der Heide erarbeitet hat.
17 Fälle von Schulverweigerung hatte die Jugendrichterin bis zum Juni auf ihrem Schreibtisch liegen. Hinter jedem Fall steht ein junger Mensch, der sich aus den verschiedensten Gründen, von der Schule fernhält. Die bisherige Vorgehensweise der Schulen, Jugendämter und auch des Gerichts ist wenig befriedigend und zielführend.
Denn nicht wenige der Jugendlichen sind öfter als Fallakte bei der Jugendrichterin..
Nach der Handlungsempfehlung des Landkreises Oldenburg melden die Schulen jeden Schüler ab der Sekundarstufe I, der mehr als fünf Mal unentschuldigt gefehlt hat. Bislang verhängte von der Heide ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro. Da die meisten Schüler diesen Betrag nicht begleichen konnten, gab es ersatzweise eine Arbeitsauflage.

Dr. Ann-Katrin von der Heide (links) und Dr. Detlev Lauhöfer stellten das neue Konzept vor, mit dem Schulverweigerern besser geholfen werden soll. Foto: Martin Siemer
Dr. Ann-Katrin von der Heide (links) und Dr. Detlev Lauhöfer stellten das neue Konzept vor, mit dem Schulverweigerern besser geholfen werden soll. Foto: Martin Siemer

„Was fehlte, ist die pädagogische Begleitung des Jugendlichen“, sagte von der Heide. Das bedeutete, dass die Jugendlichen oftmals den Auflagen nicht nachkamen und dann im Jugendarrest in Emden landeten. „Die betroffenen Schülerinnen und Schüler haben ja eigentlich nichts gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes, und sitzen dann mit anderen Straffälligen zusammen.“
Aus ihrer täglichen Arbeit als Jugendrichterin weiß von der Heide, dass die meisten straffällig gewordenen Jugendlichen eben auch nicht zur Schule gehen.
Nach von der Heides Konzept übernimmt nun das Familiengericht künftig die Fälle, in denen mindestens 15 Tage unentschuldigt in der Schule gefehlt wurde. „Wir haben als Familienrichter ganz andere Möglichkeiten“, betonte Detlev Lauhöfer. So wird zum Beispiel die gesamte Familie in das Verfahren eingebunden und der Familienrichter kann, anders als die Jugendrichter, auch die Familie mit Auflagen belegen. Das kann im Äußersten bis zum teilweisen Entzug des Sorgerechts gehen.
„Wir stellen uns immer die Frage, ob das Kindeswohl dadurch gefährdet ist, dass der Jugendliche nicht zur Schule geht“, sagte Lauhöfer. Und in den meisten Fällen wird diese Gefährdung gesehen.
Schul- und Jugendamt haben die Initiative aus dem Amtsgericht positiv aufgenommen.
„Ich habe viele Gespräche geführt“, sagte von der Heide. Sie will das neue Konzept nach einem Jahr überprüfen. Andere Gerichte zeigten bereits Interesse an dem Wildeshauser Modell.

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