Am Beton nagt der Zahn der Zeit

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Parkpalette in Wildeshausen muss aufwendig saniert werden

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Parkplätze sind in der Wildeshauser Innenstadt eher Mangelware. Zwar gibt es überall im Stadtgebiet verteilt verschiedene Parkmöglichkeiten. Zentral gelegen und mit den meisten Abstellmöglichkeiten für Kraftfahrzeug sind der Gildeplatz und die benachbarte Parkpalette. Letzte ist jedoch in die Jahre gekommen und muss aufwendig saniert werden. 780.000 Euro sollen die Arbeiten insgesamt kosten, im Haushalt 2018 sind 135.000 Euro Planungskosten und 200.000 Euro Baukosten veranschlagt. Für das kommende Jahr sind weitere 445.000 Euro eingeplant. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Kreisstadt eine zusätzliche Belastung.

780.000 Euro investiert die Stadt Wildeshausen in die Sanierung der Parkpalette auf dem Gildeplatz. Foto: Martin Siemer
780.000 Euro investiert die Stadt Wildeshausen in die Sanierung der Parkpalette auf dem Gildeplatz. Foto: Martin Siemer

Doch die Sanierung ist notwendig, denn am Beton der Parkpalette nagt der Zahn der Zeit. Am 1. Juli 1988, also vor 30 Jahren, wurde die Parkpalette eingeweiht. Schon damals benötigte die wachsende Stadt zusätzliche Parkmöglichkeiten, weil vor allem im Zuge der Umgestaltung der Innenstadt und der Verlegung der Bundesstraße B213 Ende der 1980er Jahre Stellplätze wegfielen. So konnten Besucher der Stadt damals auf beiden Seiten entlang der Westerstraße parken oder ihre Fahrzeuge auf dem Marktplatz abstellen. Abhilfe schafften Politik und Verwaltung auf der Fläche zwischen Burgstraße und Wittekindstraße. Der heutige Gildeplatz war damals bereits als Festplatz vorgesehen, auf dem die jährlichen Märkte und das Gildefest stattfanden. Für den optimalen Verkehrsfluss musste eine Anbindung an die Wittekindstraße geschaffen werden. Zuvor konnten Fahrzeuge nur über Burg- oder Kleine Straße zum damaligen Zentralparkplatz gelangen. Nach dem Beschluss des Stadtrates begann am 15. September 1987 der Bau der Parkpalette, über die zuvor kontrovers diskutiert wurde. Der Bau gestaltete sich schwierig, weil sich der Baugrund auf dem Randbereich des alten Flussbetts der Hunte befand. Eine Pfahlgründung war notwendig. Insgesamt 64 Pfähle wurden in den morastigen Untergrund gerammt. Anschließend verbauten die Handwerker 122 Tonnen Stahl und fast 800 Kubikmeter Beton. Auf gut 2.000 Quadratmetern entstanden 146 Stellplätze. Heute sind davon jeweils zwei Stellplätze für Menschen mit Handicap und für Mutter und Kind reserviert. Rund 2,1 Millionen D-Mark investierte die Stadt damals in den Bau der Parkpalette. Eine Fehler wurden bei den ersten Planungen gemacht, der allerdings erst später bewusst wurde. Die Statik des Baus erlaubt es nicht, ein weiteres Parkdeck aufzusetzen, um noch weitere Parkmöglichkeiten in der Innenstadt zu schaffen.

Insgesamt 146 Stellplätze gibt es in der Parkpalette, darunter jeweils zwei Stellplätze für Menschen mit Handicap und für Mutter und Kind. Foto: Martin Siemer
Insgesamt 146 Stellplätze gibt es in der Parkpalette, darunter jeweils zwei Stellplätze für Menschen mit Handicap und für Mutter und Kind. Foto: Martin Siemer

Fast drei Viertel der damaligen Bausumme muss die Stadt jetzt in die Sanierung investieren. Unter anderem wird der in die Jahre gekommene Beton saniert und es werden Beschichtungsarbeiten durchgeführt. Modernisiert werden soll auch die Beleuchtung. An dieser wurde schon 2010 gearbeitet. Damals wurden hellere Lampen installiert, um die Parkpalette am Abend besser auszuleuchten. Nur zwei Jahre später erfolgte die Sanierung der Stahlstützen, auf denen die Parkpalette steht. 2013 erhielten die Stufen der großen Freitreppe, die zum obersten Parkdeck führt, neue Granitplatten. Die Parkpalette dient jedoch nicht nur den Autofahrer als Abstellplatz ihres Fahrzeuges, um in der Innenstadt einzukaufen oder dort zu arbeiten. Abends und am Wochenende ist die Palette oft ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche. Oftmals sind diese Treffen jedoch mit Lärm und anderen Störungen verbunden, was hin und wieder die Polizei auf den Plan ruft. Während des Gildefestes sind in der Parkpalette die Sanitäranlagen des großen Festzelts auf dem Gildeplatz untergebracht. Und auch als Drehort für die Romanze zwischen Sarah Connor und Mark Terenzi musste die Parkpalette schon herhalten. Für die Doku-Soap „Sarah & Marc crazy in love“ ließ Terenzi zu Connors 28. Geburtstag im Juni 2008 in der Parkpalette ein übergroßes Graffito sprayen. Mit Zustimmung des damaligen Bürgermeisters Kian Shahidi. Das Paar wohnte damals in Wildeshausen. Die anstehenden Bauarbeiten an der Parkpalette werden die Parkplatzangebote in Wildeshausen weiter verknappen. Für die Arbeiten rechnet die Verwaltung mit einer Bauzeit von sechs bis acht Wochen je Parkdeck, wobei ein Deck in diesem Jahr in Angriff genommen wird. Die beiden übrigen erfolgen 2019. Während dieser Zeit müssen die Autofahrer auf umliegende öffentliche Parkplätze ausweichen.

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