Wegnahme ist das allerletzte Mittel

(Kommentare: 0)

Veterinäramt im Spannungsfeld zwischen Tierschutz und Rechtsstaat

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Aufsehenerregende Fälle bei Verstößen gegen den Tierschutz gab es in den vergangenen Jahren zuhauf. 2011 wurde ein Pferdehof in Bargloy in der Landgemeinde Wildeshausen geräumt. Im Dezember des vergangene Jahren holten Mitarbeiter des Veterinäramtes insgesamt 166 Pferde, Schweine, Hunde, Katzen, Ratten Enten, Hühner und Frettchen von einem Hof und Ganderkesee-Neuenlande. Nach Ansicht mancher Tierschützer handelt das Veterinäramt des Landkreises nicht immer schnell Genug. Ein Vorwurf, den Dr. Carsten Görner, Leiter des Veterinäramtes, so nicht stehen lassen will. Denn Görner und seine Kollegen, wie auch alle anderen Kreisveterinäre, arbeiten und schwierigen, rechtlichen Voraussetzungen. Denn die Wegnahme eines Tieres ist der Eingriff in das Eigentumsrecht Halters. „Die Wegnahme ist das allerletzte Mittel“, erläuterte der 1. Kreisrat Christian Wolf, zugleich Dezernent für Ordnung und Recht in der Kreisverwaltung.

2011 wurde ein Pferdehof in Bargloy in der Landgemeinde Wildeshausen geräumt.. Die Teire waren teilweise in einem erbämrlichen Zustand. Archivfoto: Martin Siemer
2011 wurde ein Pferdehof in Bargloy in der Landgemeinde Wildeshausen geräumt.. Die Teire waren teilweise in einem erbämrlichen Zustand. Archivfoto: Martin Siemer

Durchschnittlich fünf Anzeigen aus dem Bereich Tierschutz gingen beim Landkreis im vergangenen Jahr wöchentlich ein, in Summe 250 Stück. „Etwa die Hälfte davon waren berechtigt. Bei den übrigen handelte es sich unter anderem auch um Nachbarschaftsstreitigkeiten“, zählte Görner auf. Da will der eine Nachbar dem anderen eins auswischen und bezichtigt diesen der nicht artgerechten Tierhaltung. Allen Fällen gehen die Mitarbeiter des Veterinäramtes nach. Kein leichtes Unterfangen, denn oftmals kann der beschuldigte Tierhalter nicht sofort ausfindig gemacht werden. So wie in einer kleinen Hühnerhaltung in einem Wochenendhausgebiet. Dem Veterinäramt war angezeigt worden, dass die zwölf Hühner und zwei Gänse dort ohne Futter und Wasser gehalten würden. Görner macht sich selbst vor Ort ein Bild und sah den Vorwurf bestätigt. Als er am nächsten Tag erneut nach den Tieren schaute, war zumindest Futter vorhanden. Am dritten Tag brachte der Kreisveterinär selbst Wasser mit. Am vierten Tag waren die Tier dann verschwunden. Inzwischen war aber der Halter bekannt, so dass diesem ein entsprechender Gebührenbescheid zuging.

Schwierig ist es für die Veterinäre auch den Anzeigen nachzugehen, wenn keine fundierten Beweise vorliegen. „Wir brauchen aussagekräftige Fotos oder Zeugen, die einen Vorwurf bestätigen. Anonyme Hinweise bringen nichts“, betonte Görner. Denn die Veterinäre können nicht so einfach einen Hof oder Stallungen betreten. Dazu benötigen sie polizeiliche Unterstützung und richterliche Beschlüsse.

Und auch wenn die Veterinäre tätig werden, können sie die Tiere nicht sofort wegnehmen. Dazu bedarf es Fristen, die eingehalten werden müssen, in denen der Halter die Situation verbessern kann. Erst danach kann das Veterinäramt aktiv werden. Für viele Tierschützer ein nicht nachvollziehbarer Vorgang. „Das ist ein sehr schwieriges Gesamtpaket aus Recht, Tatsachen und Menschen“, sagte Christian Wolf.

Görner kritisierte auch die Medien, die teilweise nicht korrekt über Tierhaltungsverstöße berichten würden. „Das erleichtert unsere Arbeit nicht, weil viele Leser dann denken, wir hätten etwas falsch gemacht.“ Görner möchte nur aus fachlicher Sicht bewerten und nicht aus medialem Druck.

Landrat Carsten Harings stellte sich ganz bewusst vor seine Kreisveterinäre. „Sie nehmen jeden Hinweis ernst, prüfen ihn, treffen rechtsstaatliche Entscheidungen und leiten gegebenenfalls die entsprechenden Maßnahmen ein.“ Eine Absage erteilte Harings persönlichen Angriffen auf seine Mitarbeiter. „Es ist nicht in Ordnung, wenn Dr. Görner als Leiter des Veterinäramtes auf der persönlichen Ebene angegriffen wird“, betonte Harings. Jede Fokussierung auf eine Person spitze die Lage zu.

Zurück

Einen Kommentar schreiben