Innovationen für den Rettungsdienst

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Großleitstelle Oldenburg macht sich fit für die Zukunft

Von Martin Siemer

Oldenburg. Die Gesamtzahl der von der Großleitstelle Oldenburg (GOL) im vergangenen Jahr abgearbeiteten Einsätze hat sich zwar von 259.763 im Jahr 2016 auf 249.576 im vergangenen Jahr verringert. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Alarmierungen bei den Brand- und Hilfeleistungseinsätzen von 6.076 auf 8.540 gestiegen. Diese Zahlen stellte Frank Leenderts, Vorstand der GOL, am Montagmorgen in Oldenburg vor. „Maßgeblich sind hierfür sicherlich die vermehrten Unwetter im vergangenen Jahr“, erläuterte Leenderts. Gab es im Jahr 2013 mit den Stürmen „Christian“ und „Xaver“ nur zwei solcher Unwetterereignisse, waren es im vergangene Jahr insgesamt vier, wobei das Gebiet der GOL am 5. Oktober 2017 vom Sturm „Xavier“ am heftigsten getroffen wurde. Die Großleitstelle, die auf dem Gelände der Polizeidirektion Oldenburg am Friedhofsweg untergebracht ist, koordiniert die Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehr in den kreisfreien Städten Delmenhorst, und Oldenburg sowie in den Landkreises Ammerland, Cloppenburg, Oldenburg und Wesermarsch mit rund 735.000 Einwohnern.

249.576 Einsätze wickelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GOL im vergangenen Jahr ab. Foto: Klaus von Frieling
249.576 Einsätze wickelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GOL im vergangenen Jahr ab. Foto: Klaus von Frieling

Zu den 8.540 Brand- und Hilfeleistungseinsätzen listete Leenderts 44.031 (2016:45.014) Einsätze des qualifizierten Krankentransports, 70.350 (2016: 71.235) Notarzt- und Notfalleinsätze sowie 126.655 (2016: 137.438) sonstige Einsätze auf. „Das sind Hilfeersuchen von Menschen, die ohne Blaulichteinsatz erledigt werden“.

Die 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der GOL nutzen für ihre Arbeit modernste Kommunikationsmittel und Software. So wurde im vergangene Jahr das IVENA System um das Modul „MANV“ erweitert. INEVA steht für Interdiziplinärer Versorgungsnachweis und ist ein modernes Online System, mit dem Patienten in zurzeit 13 Kliniken im Bereich der GOL angemeldet und dem Bedarf entsprechend zugewiesen werden können. Die Ergänzung „MANV“ bezieht sich auf einen Massenanfall von Verletzten. „Das System informiert oder alarmiert zeitgleich alle Krankenhäuser, die von diesem Massenanfall von betroffen sein könnten“, erklärte Jan Hoffmann, Betriebsleiter im Eigenbetrieb Rettungsdienst Wesermarsch. Bei dem Busunfall in der Wesermarsch Mitte November 2017 kam das System zum Einsatz. Aber auch beim Reizgasvorfall in einer Schule in Ganderkesee und bei den massenhaften Rauchvergiftungen in einem Zeltlager in Sage in der Gemeinde Großenkneten griffen die Einsatzkräfte auf INEVA MANV zurück. Noch bis Ende 2018 läuft das System im Probebetrieb in den Regionen Oldenburg, Osnabrück und Hannover. Danach soll es flächendeckend in ganz Niedersachsen eingeführt werden. Das hat die SPD / CDU-Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag dokumentiert.

Das ist aber nicht die einzige Innovation, an der die GOL maßgeblich beteiligt ist. Auch das „Projekt Leben“ wurde von den Oldenburger initiiert. Dabei geht es darum, die Überlebensrate bei einem Herzstillstand durch eine frühzeitige Reanimation zu erhöhen. Durch eine App, die auf Smartphones läuft, werden ausgebildete Ersthelfer, die sich in der Nähe des betroffenen Patienten befinden, an den Einsatzort dirigiert. Sie können dort noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Reanimation beginnen. Für dass Projekt haben sich die an der Großleitstelle Oldenburg beteiligten Kommunen und der Landkreis Vechta zusammengetan. „Mittlerweile gab es knapp 2.000 Anmeldungen, von denen auch 1.335 Helfer mit einer Qualifikation aktiv im System sind“, sagte Jan Hoffmann. Seit dem Start Ende 2017 konnten bei 75 Alarmierungen die Ersthelfer in 28 Fällen bereits aktiv tätig werden. „Sie haben geholfen, die möglichen Folgen für den Patienten zu verbessern“, betonte Hoffmann.

Und auch in einem dritten Projekt beschreitet die GOL Neuland. Sie hat eine Software programmieren lassen, die einem Anrufer, der einen Notfall meldet, eine SMS sendet. Sobald diese SMS bestätigt wird, erhält die GOL die Möglichkeit, den Standort des Anrufers zu ermitteln. „Die Notrufannahme könnte so einfach sein, wenn der Hilfesuchende die Frage 'Wo genau ist der Notfallort?' ad hoc beantworten könnte“, beschreibt Leenderts die Einsatzwirklichkeit. Denn oftmals wüssten die Anrufer nicht, wo sie sich befinden. Das neue System macht dies jetzt möglich.

Um die Arbeit der GOL noch transparenter zu machen, wird in der kommenden Woche ein Filmtage über vier Tage die Arbeit der Leitstelle dokumentieren. Die Dreharbeiten finden für die zweite Staffel der VOX Doku-Reihe „Die Notrufzentrale“ statt. „Dabei werden selbstverständlich alle datenschutzrechtlichen Aspekte gewahrt“, unterstreicht Frank Leenderts. So werden die Notrufe von Schauspielern nachgesprochen und örtlich verfremdet.

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