Corona-Schutz im Brandeinsatz

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Feuerwehren im Landkreis haben sich auf die Ausnahmesituation gut eingestellt

Von Martin Siemer

Landkreis. Das Corona-Virus hat weite Teile des öffentlichen Lebens lahm gelegt. Geschäfte und Restaurants waren vorübergehend geschlossen. Doch es gibt Bereiche, die lassen sich nicht so einfach mal eben „abschalten“. Neben Ärzten und Pflegepersonal gehören auch die Feuerwehren dazu. Denn Brände oder Unfälle nehmen auf Vorschriften von Ministerien keinerlei Rücksicht. Auch die Feuerwehren in Landkreis Oldenburg sind von den Auswirkungen und Einschränkungen der Corona-Pandemie betroffen. Dennoch läuft der Einsatzbetrieb weiter. Wenn auch mit erheblichen Beeinträchtigungen. Die Feuerwehren müssen sich ebenso an die Vorgaben der Landesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie halten.

Oliver Rosemeier (link) und Timo Poppe (rechts) mit Mundschutz und Ersatzkleidung nach einem Einsatz bei einem Wohnungsbrand. Foto: Feuerwehr Wildeshausen
Oliver Rosemeier (link) und Timo Poppe (rechts) mit Mundschutz und Ersatzkleidung nach einem Einsatz bei einem Wohnungsbrand. Foto: Feuerwehr Wildeshausen

„Wir haben bei der Feuerwehr Wildeshausen am 12. und 13. März die ersten Maßnahmen eingeleitet“, erklärt Wildeshausens Ortsbrandmeister Lutz Ertelt auf Nachfrage unserer Zeitung. Das bedeutete, der Dienstbetrieb im Feuerwehrhaus an der Krandelstraße wurde bis zum 31. Mai komplett eingestellt. Am 24. April folgte dann die Einführung der Maskenpflicht für die Frauen und Männer der Feuerwehr. Diese gilt auch bei Einsätzen. Um die vorgegebenen Abstandsregeln möglichst einzuhalten, sind die Einsatzfahrzeuge nur noch mit reduzierten Besatzungen besetzt. „Die Löschgruppenfahrzeuge fahren jetzt mit sechs statt mit neun Einsatzkräften, Tanklöschfahrzeug und Rüstwagen mit zwei statt mit drei“, erläutert Ertelt.

Der Ausbildungsbetrieb, der ansonsten regelmäßig stattfindet, ist völlig zum Erliegen gekommen. „Durch die vielen Einsätze, die wir in jedem Jahr fahren, können wir das aber kompensieren“, sagt der Feuerwehrchef.

Bei ihrer ohnehin praktizierten Einsatzhygiene hat die Wildeshauser Feuerwehr noch eine Stufe höher geschaltet. „Auf jedem Einsatzfahrzeug lagern eingeschweißte Trainingsanzüge. Die Einsatzkräfte, die zum Beispiel im Innenangriff eingesetzt waren, legen nach Einsatzende Überjacke und Überhose ab und ziehen diese Ersatzkleidung an“, sagt Ertelt. Die Einsatzkleidung wird dann speziell verpackt und gereinigt. Das dient dem Schutz der Einsatzkräfte. Denn bei manchen Bränden werde gelegentlich auch Stoffe freigesetzt, die krebserregend sind. „Das handhaben wir schon seit geraumer Zeit so. Hinzugekommen ist jetzt der Mund-Nase-Schutz.“

Die Jugendfeuerwehr Wildeshausen, die von den Einschränkungen ebenso betroffen ist, hat mittlerweile schon einen rein digitalen Jugendfeuerwehrdienst durchgeführt. Mit großem Interesse seitens der Jugendlichen.

André Gerke führte durch den ersten digitalen Ausbildungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr Beckeln. Foto: Feuerwehr/Christian Bahrs.
André Gerke führte durch den ersten digitalen Ausbildungsdienst der Freiwilligen Feuerwehr Beckeln. Foto: Feuerwehr/Christian Bahrs.

Die Digitaltechnik hat sich auch die Freiwillige Feuerwehr Beckeln zunutze gemacht. 34 Männer und Frauen verfolgten an einem Mittwochabend Ende April von zu Hause mit ihren mobilen Endgeräten den Live-Stream, den der stellvertretende Ortsbrandmeister André Gerke und Gruppenführer Christian Bahrs vorbereitet hatten. Während Gerke durch den Dienst führte filmte Bahrs ihn. Als Themen wurden die aktuellen Verhaltensregeln aufgrund der Corona-Pandemie bei Einsätzen durchgesprochen und danach die speziellen Schutzartikel im Feuerwehrhaus und in den Fahrzeugen gezeigt.

Die digitale Kommunikation kann jedoch nicht das zwischenmenschliche Miteinander ersetzen. „Das Kameradschaftliche fehlt zurzeit, das kommt zu kurz“, weiß Kreisbrandmeister Andreas Tangemann. Denn die Limo oder das Bier nach dem Dienst oder dem Einsatz, das persönliche Gespräch über das Einsatzgeschehen, trägt viel zur Kameradschaft bei.

Zwar hat die Niedersächsische Landesregierung mit ihrer Verordnung vom 8. Mai neue Regeln für den „Dienst- und Ausbildungsbetrieb im Brand- und Katastrophenschutz“ erlassen. Diese sind jedoch nicht oder nur sehr schwer umzusetzen. So dürfen sich maximal zehn Personen am Ausbildungsdienst beteiligen, inklusive Ausbilder. Zudem muss der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. „Das ist sehr schwierig innerhalb der Feuerwehren umzusetzen“, sagt Tangemann. Während zum Beispiel große Feuerwehren wie Wildeshausen oder Ganderkesee über ausreichende Räumlichkeiten verfügen, ist das kleinen Einheiten wie zum Beispiel der Feuerwehr Dingstede nicht möglich.

Tangemann ist deshalb auch seit Wochen in intensiven Austausch mit den Orts-, Gemeinde- und Stadtbrandmeistern der 31 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis. „Wir sind überein gekommen, den Dienstbetrieb weiterhin bis zum 31. Mai einzustellen.“ In dieser Zeit soll beraten werden, wie es danach weiter geht. In jedem Fall ist sichergestellt, dass die Feuerwehren bei einem Alarm einsatzbereit sind und ausrücken.

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