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Kritik am Veterinäramt des Landkreises ebbt nicht ab

Von Martin Siemer

Wildeshausen/Bookholzberg. Das Veterinäramt des Landkreises Oldenburg und dessen Leiter Dr. Carsten Görner sehen sich nach wie vor einer massiven Kritik ausgesetzt. Den Veterinären wird der Vorwurf gemacht, nicht konsequent genug Hinweisen auf Tierschutzverstößen nachzugehen. Besonders die Räumung des Tierhofes in Neuenlande in der Gemeinde Ganderkesee erhitzt die Gemüter.

Am 13. Dezember des vergangenen Jahres wurden dort 166 Tiere, darunter Pferde, Schweine, Hunde Katzen, Ratten, Enten, Hühner und Frettchen, sichergestellt und in andere Unterkünfte gebracht. Es steht der Vorwurf im Raum, das Veterinäramt wäre erst tätig geworden, nachdem Tierschützer mehrere Strafanzeigen gegen den Tierhalter bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg eingereicht haben. Ein Vorwurf, den Görner nicht gelten lässt. „Der Zustand auf dem Hof war uns von mehreren Besuchen bekannt. Und ich hatte das Gefühl, das geht auf Dauer nicht gut. Weil aber zum Beispiel die Kälber bei deren Begutachtung im guten Zustand waren, hatten wir zu diesem Zeitpunkt keine Handhabe“, erklärt Görner. Nur auf Vermutungen kann sein Amt nicht tätig werden. „Außerdem müssen wir schlicht Fristen einhalten.“ So sei der Tierhalter auch angewiesen worden, den Hunden auf dem Hof entsprechenden Auslauf zu gewähren und die Tiere ordentlich zu versorgen. „Das geht dann über mehrere Kontrollen hinweg.

 

Auf dem Pferdehof in Bargloy wurden 2011 mehrere völlig vernachlässigte Tiere sichergerstellt. Archivfoto: Martin Siemer

Karin-Carola Tapken, eine Tierschützerin aus Delmenhorst, hat da jedoch eine ganz andere Wahrnehmung. Sie hat beim Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen Carsten Görner eingereicht. Darin wirft sie ihm als Amtsleiter „jahrelange Untätigkeit in Sachen ihm anvertrauter Beschwerden, Anzeigen oder Notmeldungen in Sachen Tierschutz“ vor. Am 25. September 2017 war Tapken erstmals auf dem Hof in Ganderkesee. Sie und ihre Tochter interessierten sich für eine Reitbeteiligung, die im Internet angeboten worden war. „Der erste Eindruck war ganz schlimm. Der ganz Hof war vollgemüllt. Überall lagen Hausmüll und Bauschutt und viele vergammelte Sachen“, erinnert sich Tapken. Nach ihrer Erinnerung besichtigte das Veterinäramt am 28. September 2017 den Hof und hatte keinerlei Beanstandungen. Lediglich der bereits erwähnte Auslauf für die Hunde sei angeordnet worden.

Tapken hält den Veterinären vor, dass weder auf die Anzahl der vor Ort gehaltenen Tiere noch auf deren Haltungsbedingungen reagiert worden sei. Auch die Zahl der erkrankten Tiere, deren tierärztliche Versorgung und die Versorgung im Allgemeinen oder auch die marode Bausubstanz haben offenbar keine Rolle gespielt.

Auslöser für die Räumung des Hofes war letztendlich ein verstorbenes Pony, dass vom Hofbetreiber auf einer Weide verbuddelt wurde. „Wir haben auf mehrmalige Nachfrage bei Frau Tapken eine Ortsbeschreibung erhalten, wo das Tier vergraben sein soll“, sagt Görner. Mit Kollegen sei er dann vor Ort gewesen und stellte tatsächlich Fakten fest, die auf ein nicht ordnungsgemäße Tierkörperbeseitigung hindeuteten. „Der Besitzer wurde von uns aufgefordert, das Tier ordnungsgemäß zu beseitigen“, schildert Görner den Vorgang. Er hab dann am nächsten Tag erneut beim Hofbesitzer angerufen und sich nach dem Sachstand erkundigt. Da habe ihm dieser gesagt, es sei an der besagten Stelle doch kein Tier vergraben gewesen sondern Plastikabfall. Das wiederum veranlasste den Veterinär zu einem erneuten Besuch auf dem Hof. Dort fand man schließlich eine weitere Stelle, die auf ein Tiergrab hindeutete. „Ich habe dann einen Termin mit der Polizei gemacht, was einige Zeit in Anspruch nahm“, erklärt Görner. Der Hofeigentümer hätte sich einige Mühe gegeben, die neue Vergrabungsstelle zu vertuschen.

Karin-Carola Tapken hingegen sagt, dass sie in dieser Sache selbst bei der Polizei vorstellig geworden zu sein, da das Veterinäramt nicht reagiert habe. Am 23. Oktober 2017 stellte Tapken Strafanzeige gegen den Hofbesitzer. Zusammen mit anderen Tierschützern, darunter der Tierschutzverein Delmenhorst, wandte sie sich zudem über einen Anwalt am 23. November an die Staatsanwaltschaft Oldenburg.

Der Fall Neuenlande ist nicht der Erste, bei dem die Arbeit des Veterinäramtes des Landkreises für Kritik sorgt Im März 2011 wurde ein Pferdehof in Bargloy in der Landgemeinde Wildeshausen geräumt. Die 43 beschlagnahmten Pferde waren allesamt in einem erbärmlichen Zustand. Dabei waren die Verhältnisse auf der gepachteten Anlage bereits den Behörden im Landkreis seit spätestens 2008 bekannt. Görners Amtsvorgänger Dr. Jochen Vahrenhorst, bis Ende 2010 im Amt, war bereits im April 2009 vom Verpächter der Hofanlage in Bargloy auf den angegriffenen und geschädigten Gesundheitszustand der Pferde hingewiesen worden. Dem Pächter wurden Auflagen gemacht, die offenkundig jedoch nicht erfüllt wurden. Anders ist es nicht zu erklären, dass bei einigen Pferden seit mehreren Jahren keine Hufpflege mehr durchgeführt wurde. Die Hufe waren zum Teil vollkommen verkümmert und verwachsen.

Im Juli 2010 wurde eine Pferdezucht in Horstedt, Samtgemeinde Harpstedt aufgelöst. Auch dort war seit mehreren Monaten bekannt, dass gegen den Halter der Pferde wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz verhandelt wurde.

Die Fachaufsichtsbeschwerde von Karin-Carola Tapken prüft jetzt das Ministerium in Hannover. Carsten Görner wurde um eine Stellungnahme gebeten. Diese wird im Ministerium gesichtet und bewertet, teilt Ministeriumssprecherin Leonie Steger auf Nachfrage mit. Notfalls werden weitere Sachverständige gehört oder es gibt auch einen Termin vor Ort. Am Ende der Prüfung wird Tapken dann über das Ergebnis informiert. Ungeachtet dessen hält Tapken an ihrer Kritik an der Arbeit des Veterinäramtes fest.

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