Luther ein Stück näher gebracht

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Luis Villar Carbajo überzeugt als Hauptdarsteller beim Pop Oratorium in Harpstedt

Von Martin Siemer

Harpstedt. Mit dem Pop-Oratorium „Luther“ reiht sich die evangelische Kirchengemeinde Harpstedt in die Orte ein, die anlässlich des Reformationsjubiläum an den Reformator erinnern. Die Aufführung am Sonntagnachmittag in der Harpstedter Christuskirche war ein gelungenes Gesamtkunstwerk, aus dem besonders Luis Villar Carbajo in der Rolle des Luther hervorragte. Gesanglich auf den Punkt vermittelte er eindrucksvoll die Zerrissenheit des Reformators, der sich 1521 in Worms vor Kaiser Karl V. zu verantworten hatte.

Die Aufführung am Sonntagnachmittag in der Harpstedter Christuskirche war ein gelungenes Gesamtkunstwerk, aus dem besonders Luis Villar Carbajo in der Rolle des Luther hervorragte. Foto: Martin Siemer
Die Aufführung am Sonntagnachmittag in der Harpstedter Christuskirche war ein gelungenes Gesamtkunstwerk, aus dem besonders Luis Villar Carbajo in der Rolle des Luther hervorragte. Foto: Martin Siemer

Während des in Worms stattfindenden Reichstages sollte Luther seine Thesen widerrufen, die ihm den Vorwurf der Ketzerei einbrachten. Seine Worte wirkten in der damaligen Zeit wie ein Fanal gegen die Mächtigen. Das Gefühl, in Gott eine feste Burg zu haben, gab den Menschen überall im Land neues Selbstvertrauen.
Gerade das bereitete der Obrigkeit Sorgen. Denn der Ablasshandel, den Luther kritisiert, war eine der Hauptsäuen des europäischen Kreditsystems. Die Ablassedikte, mit denen der Papst die Sünden erlässt, werden wir Aktien gehandelt. Sollte durch Luthers der Ablasshandel zum Erliegen kommen, könnte das gesamte Finanzsystem in sich zusammenbrechen. Schon damals hatten die Banken ungeahnte Macht und Einfluss. Hörenswert in dieser Szene Alina Kolweyh, die als Ablassprediger den Verkauf göttlicher Gnade gegen Luthers Angriffe verteidigt. Kolweyh trat in gleich vier Rollen während der Aufführung auf.

Alina Kolweyh verteidigte als Ablassprediger den Verkauf göttlicher Gnade gegen Luthers Angriffe. Foto: Martin Siemer
Alina Kolweyh verteidigte als Ablassprediger den Verkauf göttlicher Gnade gegen Luthers Angriffe. Foto: Martin Siemer

In zwanzig Szenen stellt das Pop-Oratorium aus der Feder von Michael Kunze und Dieter Falk das Geschehen während des Reichstages und danach, während Luther Flucht, dar. Getragen vom Gesang des Gospelchores Harpstedt, dem Jugendchor Feelings und vielen Solisten gelang Daniela Predescu mit ihrer Inszenierung, die damaligen Ereignisse in die Gegenwart zu transportieren. Popmusik korrespondierte mit der Geschichte des Mittelalters.
Eindrucksvoll belegte das Ensemble, wie Luther bei seinem Verhör vor Karl V. mit sich selbst ringt. Einerseits will er nicht gegen sein Gewissen handeln, andererseits auch nicht ungehorsam sein, weil er die Folgen bedenkt.

Eindrucksvoll belegte das Ensemble, wie Luther bei seinem Verhör vor Karl V. mit sich selbst ringt. Foto: Martin Siemer
Eindrucksvoll belegte das Ensemble, wie Luther bei seinem Verhör vor Karl V. mit sich selbst ringt. Foto: Martin Siemer

In der Nacht vor dem zweiten Verhör kommt ihm der Apostel Paulus zur Hilfe, was Luther wiederum in seinem Beschluss bekräftigt, seine Lehren nicht zu widerrufen. Als er den Widerruf vor dem Reichstag verweigert, kommt es zum Tumult. In der Nacht flieht Luther und wird von Soldaten des sächsischen Kurfürsten Friedrich auf die Wartburg gebracht. Dort wird er vor den Häschern des Kaiser versteckt.
Seinen Höhepunkt erlebt das Stück am Schluss, als die Mitwirkenden aus ihren Rollen treten und die abschließende Antwort auf die Frage suchen, wer Luther eigentlich war. Diese Frage dürfte auch die zahlreichen Besucher in der vollbesetzten Christuskirche beschäftigt haben, die die spannende Geschichte über das Leben des Reformators mit viel Beifall begleiteten.
Eine weitere Aufführung des Pop-Oratoriums „Luther“ gibt es am kommenden Sonntag ,18. Juni um 18 Uhr in der St.-Nicolai-Kirche in Sulingen.

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