Im Herzen unser Sohn

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Lilo Almstadt und Heinz Meyer berichten über ihre Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Viele Menschen verfolgten und verfolgen das Geschehen und das Leid in den Kriegsgebieten in Syrien, im Irak oder in anderen Krisenregionen dieser Welt. Zwei, die das Leid nicht mehr ertragen konnten und aktiven helfen wollten, sind Lilo Almstadt und Heinz Meyer. Seit Anfang 2015 engagiert sich das Bremer Paar in der Flüchtlingshilfe. Über ihre Erfahrungen, positive wie negative, berichten sind in ihrem Buch „Deine Hilfe macht Mut“, aus dem sie am Freitagabend in der Gildebuchhandlung lasen. Organisiert hatte die Veranstaltung die Initiative „Willkommen in Wildeshausen und die Freiwilligenagentur „mischMIT!“.

Mit dabei Hamoudee Moustafa, Ziehsohn von Lilo Almstadt und Heinz Meyer. Der war aus dem umkämpften Syrien geflüchtet ist und hat bei dem Autorenpaar ein neues Zuhause gefunden. „Wir sind mit 62 und 64 noch einmal Eltern geworden. Im Herzen ist er unser Sohn“, erzählte Almstadt. Hamoudee Moustafa ist bereits ein junger Mann, der demnächst sein Studium der Elektrotechnik in Hannover und später in Bremen beginnt. Er begrüßte die etwa 50 Zuhörer, darunter vielen Geflüchtete, auf arabisch, um dann den Abend in ausgezeichnetem Deutsch zu gestalten. „Die deutsche Sprache schnell zu erlernen, war ein ganz wichtiges Thema für mich, denn ich möchte hier studieren“, sagte er, dessen syrisches Abitur bereits anerkannt ist.

Ehrenamtlichen Helfern in der Flüchtlingshilfe gab er den Tipp, möglichst viel auf Deutsch mit den Geflüchteten zu sprechen. „Man kann auch kleine Zettel an Alltagsgegenstände kleben, das hilft auch beim Erlernen der Sprache“, sagte Hamoudee Diese Tipps gab es nicht nur während der Autorenlesung, sie finden auch in dem von Almstadt und Meyer verfassten Buch. Dieses ist eine Mischung aus Erfahrungsberichten und Ratschlägen. So gibt es zum Beispiel bei den Deutschen Gastgebern und den Geflüchteten aus den arabischen Stadt völlig unterschiedliche Auffassungen von Pünktlichkeit und Gastfreundschaft. Almstadt und Meyer berichteten, dass sie eine fünfköpfige syrische Familie zum Essen eingeladen hatten. Um 16 Uhr sollte das Mahl beginnen. Als die Gäste um 16.45 Uhr immer noch nicht eingetroffen waren, fragte Heinz Meyer telefonisch vorsichtig an, wie sie denn blieben. Der Vater das Familie lachte am Telefon und sagte, sie hätten noch etwas gekocht und würden sich bald auf den Weg machen. Um 18 Uhr trafen sie dann schließlich ein.

Während der Lesung wurde aber auch deutlich, dass die Helfer, bei allem ehrenamtlichen Engagement, immer auch an sich selbst denken müssen. „Die Schilderungen der Flucht und die Geschehnisse können seelisch belastend sein“, betonte Almstadt. Sie empfahl den Besuch von Seminaren und Beratungsangeboten. Zur Lesung mitgebracht hatten die Autoren viele Illustrationen, die von Geflüchteten gezeichnet wurde. Oftmals drücken sie in den Bildern ihre Empfindungen, Ängste und Sorgen aus, die sie während der Flucht oder in der neuen Heimat erlebten.

Musikalisch hatten die Autoren die Stücke der Bremer „Zollhausboys“ aus gewählt. In der Band spielen vier junge syrische Menschen gemeinsam mit den Bremern Pago Balke und Gerhard Stengert und erzählen in ihren Liedern von Flucht, Heimat und Fremdheit. Der Lesung schloss sich eine kleine Gesprächsrunde an, in der Fragen zur Arbeit in der Flüchtlingshilfe gestellt wurden. Doch es wurde auch Kritik an den andauernden Kämpfe in Syrien und den angrenzenden Krisengebieten laut. „Ich bin empört, dass Merkel nicht versucht, Erdogan von den Angriffen auf Afrin abzuhalten“, sagte Lilo Almstadt.

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