Ein Meister des Feinstaubs

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Günther Hermann zeigt Radierungen in der Wildeshauser Galerie Berlinicke

Von Martin SiemerWildeshausen. „Früher habe ich einfarbige Radierungen abgelehnt. Das kommt vermutlich daher, dass ich aus der Malerei komme“, sagte Günther Hermann am Freitagabend zu Beginn seiner Ausstellung in der Galerie Wildeshausen von Maria und Hartmut Berlinicke. Und doch sind es gerade die Schwarz-Weiß Radierungen, die den Betrachter mit ihrer Detailgenauigkeit und dem Spiel von Licht und Schatten begeistern. Nach 2009 stellt Günther Hermann jetzt zum zweiten Mal in der Galerie an der Harpstedter Straße 23 aus. Neben den Schwarz-Weiß-Drucken sind auch Farbradierungen und Ölgemälde zu sehen.

Hermann, 1956 in Gießen geboren, ist auf vielen Felder der Kunst zuhause. Ganz besonders jedoch bei den Radierungen. Dort hat er sich ganz eigene Arbeitsweisen angeeignet. Seine Druckplatten zum Beispiel ätzt er mit Eisen-III-chlorid bis zu vier Stunden. “Das ermöglicht mir sehr feine Abstimmungen“, erzählt Hermann. Andere Radierer benötigen oftmals nur wenige Minuten.

Günther Hermann hatte aus seinem Atelier eine Druckpresse mitgebracht und gewährte den Gästen der Vernissage einen Einblick in seine Arbeit. Foto: Martin Siemer
Günther Hermann hatte aus seinem Atelier eine Druckpresse mitgebracht und gewährte den Gästen der Vernissage einen Einblick in seine Arbeit. Foto: Martin Siemer

Seit über 30 Jahren, seit Anfang der 199er Jahre, bringt Günther Hermann vorwiegend Landschaften, Gärten, Parks und Blumen zu Papier. Sein Fokus liegt dabei auf dem Wildwuchs, den er in Licht und Farbe auflöst. Wer sich die Radierungen des Grafikers anschaut, der bemerkt die feinen Verläufe des Lichts, gerade bei der Darstellung eines Weges durch eine Waldlichtung. Auf den, im Wind sich wiegenden Grashalmen, läuft das Sonnenlicht bis in den Horizont. Die Grafiken sind kaum von Fotografien zu unterscheiden. Ein solches Druckergebnis bedarf langjähriger Erfahrung, Ruhe und Ausdauer. Die zeigte sich auch während der Eröffnung der Ausstellung am Freitagabend. Günther Hermann hatte aus seinem Atelier eine Druckpresse mitgebracht und gewährte den Gästen der Vernissage einen Einblick in seine Arbeit. Die drei Druckplatten hatte er bereits zuhause geätzt und vorbereitet. Die Kupferplatten sind mit Asphaltstaub beschichtet, der eingebrannt wird. Eine Arbeit, die viel Erfahrung benötigt. Denn die Staubschicht muss die richtige Stärke erreichen, damit sich der Druck detailliert abbildet. Galerist Hartmut Berlinicke, selbst ein exzellenter Grafiker und Radierer, bezeichnete Günther Hermann deshalb auch als „Meister des Feinstaubs.“

Seine Radierungen entstehen aus drei Druckplatten, die in den Grundfarben blau, rot und gelb gedruckt werden. Damit lässt sich das gesamte Farbspektrum abbilden. Die Motive seiner Bilder tupft Hermann mittels Abdecklack und Pinsel auf die Platte. „Dabei muss ich immer im Hinterkopf haben, wo die anderen Farben auf der Platte erscheinen sollen“, erzähle er, während er Platte für Platte vorbereitete. Mit einer Rolle trug er die jeweilige Farbe auf die Platte auf. Wischte dann überschüssiges Material mit Gaze fort und entfernte weitere Farbreste mittels Papierblatt. Ein Vorgang, der mit großer Sorgfalt ausgeführt wird. Nachdem alle drei Druckplatten aufbereitet waren, ging es an das eigentliche Drucken. Als Material diente Druckpapier, das zwei Stunden durchfeuchtet wurde und dadurch die Farbe besonders gut aufnimmt. Live konnten die Besucher miterleben, wie mit jedem Druckvorgang das Bild deutlicher zu erkennen war.

Günther Hermann erläuterte dabei jeden Schritt im Detail und sparte auch nicht mit Hintergrundwissen und Geschichten aus seinem Atelier. So produzierte er 2016 und 2017 über mehrere Monate unansehnliche Grafiken, ohne zunächst den Grund dafür herauszufinden .“Ich hab schon an mir selbst gezweifelt“, sagte er freimütig. Die Lösung war dann so simpel wie schwer herauszufinden. “Eine Düse im Aschekasten, wo die Druckplatten bestaubt werden, war verstopft, so dass nicht genügend Material aufgetragen wurde.“ Beim Arbeiten mit dem Asphaltstaub trägt er stets eine Schutzmaske. Am Ende der Druckvorführung hielt der Künstler die fertige Grafik in den Händen. Eine Grafik, der man nicht ansieht, wie viel Arbeit in ihr steckt und die vom Vernissagepublikum mit viel Beifall bedacht wurde.

Zu sehen sind die Radierungen und Gemälde Günther Hermanns noch bis zum 20. März in der Galerie Wildeshausen, Harpstedter Straße 23 in Wildeshausen. Die Ausstellung ist dienstags und freitags von 19 bis 22 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 11. März, gibt es zudem von 15 bis 18 Uhr einen Sonntagskaffee inmitten der Bilder des Künstlers.

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