Zivilisation trifft auf Wildnis

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An vier Orten kann man in Harpstedt Natur auf besondere Weise wahrnehmen

Von Martin Siemer

Harpstedt. Wilde Natur kann man in Harpstedt vielerorts erleben. Nicht ohne Grund zählen die Samtgemeinde und der Landkreis Oldenburg als Ganzes zu den waldreichsten Regionen im Nordwesten. Wer will, der kann auf die verschiedensten Arten mit der Natur eins werden, sie genießen und gestalten. Eine Möglichkeit dazu bietet seit dem Wochenende das Projekt „CIVIL WILDERNESS“, das von den beiden Künstlerinnen Helene von Oldenburg und Claudia Reiche im Rahmen des (Bio)-Diversitätskorridor im Landkreis Oldenburg initiiert und gestaltet wird. Räume sollen als „wild“ definiert werden und Aufmerksamkeit für Wucherungen innerhalb der sogenannten Zivilisation schaffen.
Gemeinsam mit Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse und Insa Winkler vom artecology-network verrieten die beiden am Sonnabendmittag Einzelheiten zu ihrem Vorhaben.

Helene von Oldenburg (links) und Claudia Reiche hoffen auf viele Reaktionen zu ihren „Civil Wilderness“-Flächen in Harpstedt. Foto: Martin Siemer
Helene von Oldenburg (links) und Claudia Reiche hoffen auf viele Reaktionen zu ihren „Civil Wilderness“-Flächen in Harpstedt. Foto: Martin Siemer

Im Rosenfreibad, auf dem Amtshofgelände, in der Freistraße und im Zentrum Prinzhöfte sind Flächen gekennzeichnet, die sich selbst überlassen werden. Allen gemein ist, das sie zum Teil überhaupt nicht betreten werden dürfen, das Vorhandene, Gewohnte nicht verändert werden darf. Oder aber, dass überhaupt keine Verbote gelten. Schilder an den jeweiligen Flächen weisen auf die Vorgaben hin. „Im Rosenfreibad haben wir auf der Liegeweise ein vier mal vier Meter großes Quadrat abgesteckt, bei dem das Betreten verboten ist“, erzählt von Oldenburg. Viele der Badbesucher hätten bereits gerätselt, um was es sich dabei handelt. „Einige meinten, da wären Ameisen angesiedelt“, erzählt sie und lacht. Auf dem Amtshofgelände gibt es gleich drei Flächen, alle im vorderen Bereich.
Die Besucher der Orte sind nun aufgefordert, ihre Empfindungen und Eindrücke zu kommunizieren. „Sie sollen ihre Beobachtungen einbringen, ob mit Film, Video oder gesprochenem Text“, ermuntert von Oldenburg. Und Claudia Reiche ergänzt: „Das was fotografiert wird, Räume in der Natur und später im Web, hebt die Grenzen von Natur und Zivilisation auf.“ Die ersten Aufnahmen aus Harpstedt sind bereits bei ihnen eingegangen. Alle Eingaben der Besucherinnen und Besucher landen auf der Webseite www.civilwilderness.info, so dass dort eine abwechslungsreiche Impressionsgalerie entsteht.
Erfahrung haben die beiden Künstler bereits mit einem ähnlichen Projekt. Da allerdings auf dem Mars. „Wir haben dort eine virtuelle Ausstellungsfläche eingerichtet, auf der im Laufe der Jahr viele Menschen Kunst eingestellt haben“, berichten die beiden.
Das Projekt in Harpstedt ist ein wenig anders angelegt. Hier gibt es die künstlerisch angelegten Flächen tatsächlich. Herwig Wöbse kommt täglich an den drei Refugien am Amtshof vorbei. „Selbst die Mitarbeiter unseres Bauhofes haben schon um das eine Areal herum gemäht“, erzählt Wöbse. Er selbst hat nach eigenen Angaben keinen einfachen Zugang zur Kunst, findet das Projekt aber spannend und interessant. Wöbse ist gespannt, wie die Harpstedterinnen und Harpstedter sich einbringen.
Wer Gefallen an dieser interessanten Idee gefunden hat, der kann bei Helene von Oldenburg und Claudia Reiche auch eigene Flächen vorschlagen, die künstlerisch betrachtet und unangetastet bleiben sollen. „Das ganze Projekt ist ein wachsender Prozess“, erklärt Insa Winkler. Sie koordiniert den „(Bio)-Diversitätskorridor“, der bis zum Herbst mit vielen Programmpunkten im ganzen Landkreis die Vielfalt als kulturellen Ausgangspunkt von Mensch und Natur aufgreifen will.
Für die „Civil Wilderness“ in Harpstedt gibt es im September einen Workshop zum Erfahrungsaustausch und Weiterdenken mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiteren Interessierten.

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