Feldweg verschwindet unterm Pflug

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Colnrader Landwirt setzt mehr auf Bequemlichkeit als auf Naturschutz

Von Martin Siemer

Colnrade. Die Maschinen in der Landwirtschaft werden immer größer. Das merken nicht nur Autofahrer, denen Trecker oder Mähdrescher entgegenkommen. Auch in der freien Natur kann man dies feststellen. Die Traktoren mit ihren Pflügen oder anderen Bodenbearbeitungsgeräten brauchen immer mehr Platz. Da kann dann auch schon mal der eine oder andere Feldweg in Mitleidenschaft gezogen werden. So geschehen vor einem Jahr in der Gemeinde Colnrade. Landwirt Gerrit Lindemann pflügte im Frühjahr 2017 während der Brut- und Setzzeit ein Teilstück eines Feldweges um, der die von ihm bewirtschafteten Ackerflächen trennte. Die Bodenbearbeitung war für ihn somit bequemer möglich.

So sah der Feldweg urprünglich aus, bevor der Landwirt ihn umpflügte. Foto: Privat Flämig
So sah der Feldweg urprünglich aus, bevor der Landwirt ihn umpflügte. Foto: Privat Flämig

Anke und Peter Flämig, die in Beckstedt in der Gemeinde Colnrade leben, ärgerte dies maßlos. Beide sind Anlieger an diesem Weg und fühlen sich der Natur eng verbunden. Im April wandten sie sich an Bürgermeisterin Anne Wilkens Lindemann. Diese sagte damals zu, dass der betroffene Feldweg zurückgebaut und mit einem Blühstreifen versehen wird, der zudem begehbar bleibe. Es passierte jedoch nichts dergleichen. Zwischenzeitlich wollte Gerrit Lindemann die Wegfläche sogar kaufen und stellte einen entsprechenden Antrag an die Gemeinde. Anke und Peter Fläming wollten Widerspruch gegen diesen Kaufvertrag einlegen.

Während der Sitzung des Colnrader Gemeinderates am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus teilte Wilkens-Lindemann dann jedoch mit, das Lindemann den Kaufantrag zurückgezogen habe. „Die Gemeinde verkauft das Wegstück auch nicht“, sagte die Bürgermeisterin. Landwirt Lindemann kann jedoch das Wegstück weiterhin mit beackern. Als Ausgleich wird er einen entsprechend großen Blühstreifen anlegen. Wilkens-Lindemann betonte, dass dieser Blühstreifen nicht in Verbindung mit den Kompensationsmaßnahmen des Netzbetreibers Tennet stehe, der wegen der geplanten Höchstspannungstrasse ebenfalls Blühstreifen anlegen will. Flämings hatten dies vermutet. Ob es Ordnungsmaßnahmen gegen den Landwirt gab oder gibt, das sagte die Bürgermeisterin nicht. Immerhin hatte sich Lindemann unrechtmäßig fremdes Eigentum angeeignet.

Das Ehepaar Flämig hält das Vorgehen der Gemeinde weiterhin für falsch. „Wir haben auf die Signalwirkung für andere Landwirte hingewiesen, wie einfach man einen unbequemen Feldweg vernichten kann. Die Schwierigkeiten beim Beackern mit den großen Maschinen haben auch andere“, äußerten sich beide gegenüber unserer Zeitung. Die naturnahen Feldwege seien Biotopverbundkorridore, die unbedingt in ihrer Funktionsfähigkeit zu erhalten seien. Gerade bei den sich immer weiter ausbreitenden, flächengreifenden Maismonokulturen seien diese Grasstreifen wichtig für Vögel, Insekten und auch Säugetiere. Weil immer mehr Insekten verschwinden, müsse in der Gesellschaft ein Umdenken einsetzen. „Viel zu viele öffentliche Feldwege sind in der Vergangenheit bereits verschwunden. Auch der jetzt umgepflügte Weg ist ein Verlust für die Fauna, der nicht wieder hergestellt werden kann.“

Der „Fall“ Lindemann ist indes kein Einzelfall. Auch in der Gemeinde Kirch- und Klosterseelte wurden vor Jahren Gemeindewege von Landwirten zu ihren Ackerflächen hinzugepfügt. Die Gemeinde bot den Landwirten damals an, die Wege zu erwerben, mit unterschiedlicher Resonanz.

Doch nicht nur Landwirte machen sich gelegentlich Gemeineigentum zu Eigen. Als der Landkreis im Jahr 2014 die Kreisstraße K286 (Mullstraße/Nordstraße) sanierte, kam bei den vorbereitenden Vermessungsarbeiten heraus, dass gleich mehrere Anlieger ihre Zäune oder Hecken nicht auf ihrem Grundstück, sondern auf Straßengrund und damit auf Flächen des Landkreises gesetzt hatten.

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Kommentar von Heinz-Jürgen Greszik |

Es ist schon merkwürdiges Verhalten, einfach fremde Flächen ohne Genehmigung des Eigentümers entgeltlos in Anspruch zu nehmen. Gewinnmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit. So etwas ist kein Kavaliersdelikt und es trägt nicht gerade dazu bei, mehr Vertrauen bei den Verbrauchern zu gewinnen.