Ein Leben zwischen Kunst und Sport

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Helga Neuber nahm an drei olympischen Spielen teil

Von Martin Siemer

Klattenhof. Dass Helga Neuber als junge Frau an drei olympischen Spielen teilnehmen würde, das war in ihrer Kindheit nicht abzusehen. 1937 in der Nähe von Halle an der Saale geboren, kam sie 1947 nach Oldenburg. Ihr Vater war dorthin aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden. Dort in Oldenburg besuchte sie die Schule und lernte im Alter von zehn Jahren im Oldenburger Schwimmverein schwimmen. „Damals hab ich meinen Freischwimmer gemacht“, erinnert sich die heute 80-Jährige. Was dann folgte, war eine bemerkenswerte Schwimmkarriere.

Der Bademantel der olympischen Spiele in Melbourne ist eines der ältesten Erinnerungsstücke an die Schwimmkarriere von Helga Neuber. Foto: Martin Siemer
Der Bademantel der olympischen Spiele in Melbourne ist eines der ältesten Erinnerungsstücke an die Schwimmkarriere von Helga Neuber. Foto: Martin Siemer

1953, nur sechs Jahre nach dem Freischwimmer, holte Helga Neuber, die damals noch Schmidt hieß, ihre erste Deutsche Meisterschaft im Rückenschwimmen. 26 weitere sollten folgen, immer im Rückenschwimmen über die 100 und 200 Meter Distanzen. „Mein Trainer hat mich damals sehr schnell auf diese Disziplinen spezialisiert“, erzählt sie. Was folgten waren Bezirks- und Landesmeisterschaften. 1954 belegte sie bei der Europameisterschaft in Turin den sechsten Platz. Bei der EM in Budapest 1958 war es ebenfalls der sechste Platz. Das erste große Erlebnis war die Olympiade 1956 im australischen Melbourne, wo sie auf den vierten Platz schwamm. „Der Weg dorthin war abenteuerlich. Wir sind mit einer viermotorigen Maschine geflogen. Es war damals der erste Passagierflug, der über den Nordpol führte. Von Hamburg aus ging es über Anchorage in Alaska, Hawaii und die Fidschi-Inseln nach Melbourne. „Von der Stadt oder vom Land habe ich damals aber nicht viel gesehen. Unsere Wettbewerbe lagen zeitlich am Ende der Spiele und wird durften das olympische Dorf nicht verlassen.“ Das war 1964 in Tokio ganz anders. Nachdem sie ihre Wettbewerbe als Zwölfte abgeschlossen hatte, erkundete sie das Land auf eigene Faust. Trainiert wurde sie damals übrigens von ihrem Ehemann Götz Neuber.

In ihrer Töpferwerkstatt hat Helga Neuber einige ihrer Werkstücke aufbewahrt. Foto: Martin Siemer
In ihrer Töpferwerkstatt hat Helga Neuber einige ihrer Werkstücke aufbewahrt. Foto: Martin Siemer

Dazwischen lagen 1960 noch die Olympischen Spiele in Rom, an der Helga Neuber ebenfalls teilnahm. 1962 startete sie bei den US-Meisterschaften, eine Notlösung für die Sportler aus der Bundesrepublik. Die Europameisterschaft fand damals in Leipzig statt und eine Teilnahme bundesdeutscher Sportler war wegen des Mauerbaus politisch nicht gewollt.
Als 1966 ihr erster Sohn geboren wurde, hängte Helga Neuber die Schwimmkarriere an den Nagel. Aber noch bis 1988 war sie als Übungsleiterin im Schwimmverein Ganderkesee aktiv. Denn Familie Neuber siedelt bereits 1972 nach Klattenhof um. Der Wegfall des Leistungssports ermöglichte es Helga Neuber, sich wieder der Kunst zu widmen. Von 1957 bis1961 hatte sie ein Kunststudium an der Hochschule für Künste in Bremen absolviert und war danach als Werbegrafikerin in Mannheim und Karlsruhe tätig.
Seit Mitte der 1970er Jahre arbeitet Helga Neuber als freie Künstlerin, einfach weil ihr die Kunst Spaß macht. In ihrem Haus richtete sie damals eine eigene Töpferwerkstatt mit zwei Brennöfen ein. Seit 1996 ist sie Mitglied im BBK Oldenburg und arbeitet in verschiedenen Techniken wie Malerei, Objekte aus Glas, Stein oder Karton und schuf verschiedene Installationen. „Inzwischen schwenke ich langsam auf die Fotografie um, das andere wird mir zu anstrengend.“

Die Medaillenwand ist zurzeit ein wenig geplündert. Die Auszeichnungen der Deutschen Meisterschaften sind bereits für die Ausstellung in Oldenburg verpackt. Foto: Martin Siemer

Zu sehen waren ihre Kunstwerke Anfang des Jahres im Deutschen Sport & Olympia Museum in Köln unter dem Titel „SportArt“. Neben Gemälden und Installationen wurden auch ihre Originalbademäntel aus Melbourne, Rom und Tokio gezeigt und die zahlreichen Meistermedaillen. „Medaillen und andere Exponate sind noch eingepackt“, erzählt Helga Neuber. Denn vom 29. Oktober bis zum 26. November wird diese Ausstellung in der Ballinschen Villa des Oldenburger Stadtmuseums gezeigt.
Die Bademäntel sind aber nur eine der Erinnerungen an die Sportlerzeit. Geblieben ist auch die Freundschaft zu Ingrid Schmidt, einer Schwimmerin aus der ehemaligen DDR, mit der Helga Neuber die Wettbewerbe um die olympischen Spiele 1960 und 1964 bestritt. „Es gab 1956, 60 und 64 nur gesamtdeutsche Mannschaften mit Sportlern aus der DDR und der Bundesrepublik“, erinnert sich Neuber. Bei Ausscheidungswettbewerben wurden die Teilnehmer für die Spiele ermittelt. „Hinterher handelten dann die Funktionäre aus, wie viele aus jedem Land tatsächlich mitfahren durften.“
Noch während der Wettkampfzeit nahm Ingrid Schmidt ihre westdeutsche Schwimmkollegin einmal in Magdeburg mit in die Stadt. Eine Besonderheit in der damaligen Zeit, in der jeder Westkontakt misstrauisch beäugt wurde.
„Ingrid war immer schneller als ich“, sagt Neuber und lächelt. Das hat ihrer Freundschaft keinen Abbruch getan. Bis heute halten die beiden regelmäßig Kontakt und schicken sich zu Weihnachten kleine Päckchen.

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