Im Boden schlummert Geschichte

(Kommentare: 0)

Archäologische Funde bei Erdarbeiten werden gesichert

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Die Stadt an der Hunte gilt mit ihren Hünengräbern und dem Pestruper Gräberfeld als Zentrum der klassischen Quadratmeile der deutschen Vorgeschichte. Insofern verwundert es nicht, wenn bei Bauarbeiten immer wieder historische Funde auftauchen. So wie jetzt in der Bauernmarsch. Dort lässt die Stadt Wildeshausen seit dem vergangenen Herbst Ausgleichsflächen für Bauvorhaben im Erholungs- und Freizeitzentrum Krandel anlegen.

Einer aufmerksamen Spaziergängerin ist es zu verdanken, dann Archäologen jetzt wahre Schätze der Urgeschichte Wildeshausens sichern können. Die Wildeshauserin hatten in dem Erdaushub Scherben bemerkt. Im Auftrag und in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalsschutz und Archäologie nahm jetzt eine Fachfirma eine sogenannte „Prospektion“, also die erste Erkundung und Erfassung der archäologischen Fundstätte vor.

Archäologische Funde bei Erdarbeiten in Wildeshausen werden gesichert. Foto: Martin Siemer
Die Archäologische Funde in Wildeshausen werden gesichert. Foto: Martin Siemer

Im Auftrag und in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalsschutz und Archäologie nahm jetzt eine Fachfirma eine sogenannte „Prospektion“, also die erste Erkundung und Erfassung der archäologischen Fundstätte vor.

Was sie entdeckten, ist nicht ohne Bedeutung. So sind Konturen einer Siedlung sichtbar, Hausgrundrisse und Gruben. Gebaut auf Pfahlgründungen. Und viele Scherben aus Keramik, passend zum ehemaligen Töpferzentrum Wildeshausen. Sie könnten zu Ess- oder Kochgeschirren gehören. Die Konturen sind durch Verfärbungen im Boden zu erkennen.

Für Bezirksarchäologin Dr. Jana Esther Fries eine interessante Ausgrabungsstelle. Sie schätzt, dass die Funde aus der Zeit um Christi Geburt plus etwa 100 bis 200 Jahre stammen. „Das ist eine schöne Siedlung. Die Funde liegen klar über dem Durchschnitt“, sagt Fries im Gespräch mit unserer Zeitung. Gleichwohl haben die Funde für Sammler nur eine geringen Wert. Für die Archäologen sind sie aber unbezahlbar. Bieten sie doch die Möglichkeit, mehr über die frühe Geschichte Wildeshausens zu erfahren.

In den kommenden Wochen wird es nun eine intensivere Untersuchung geben. Dazu wird mit einem Bagger der Oberboden behutsam Stück für Stück entfernt, um die unteren Erdschichten begutachten zu können. Knapp zwei Hektar groß ist die Fläche, die dabei bearbeitet wird. Sollten sich darüber hinaus weiter Funde einstellen, wird dort nicht weiter gegraben. „Wir konzentrieren uns auf die zwei Hektar und sichern in angrenzenden Bereichen nur gefährdete Dinge“, erklärt Fries.

Wann diese Arbeiten erfolgen, steht noch nicht fest. „Alle Maßnahmen sind mit der Denkmalbehörde des Landkreises, gegebenenfalls auch mit der oberen Denkmalbehörde abzustimmen“, sagt Stadtsprecher Hans Ufferfilge auf Nachfrage. Geklärt werden muss zum Beispiel, wie bei den Ausgrabungen vorgegangen wird, wie die Ausgrabungsgegenstände gesichert und aufbewahrt werden und wie diese bewertet werden. Auch wo die Fundstücke letztendlich verbleiben, muss festgelegt werden. „Die Fundstücke gehören dem Eigentümer der Fläche, in diesem Fall also der Stadt Wildeshausen. Das ist im Denkmalschutzgesetz so geregelt“, erklärt Fries. Oftmals überlassen die Kommunen aber die Funde dem Landesamt für Denkmalsschutz, weil keine adäquaten Lager- oder Ausstellungsmöglichkeiten vorhanden sind.

Das könnte in Wildeshausen anders werden. Denn in der Kreisstadt gibt es Pläne, das alte Feuerwehrhaus an der Huntestraße zu einem Urgeschichtlichen Zentrum umzuwandeln. Dort könnte dann Fundstücke aus der Bauernmarsch, neben vielen anderen Exponaten der Wildeshauser Ur- und Frühgeschichte, zu sehen sein. „Uns freut es immer sehr, wenn Dinge vor Ort ausgestellt werden können“, sagt Fries. Bis es soweit ist, wir aber noch einige Zeit ins Land gehen, vor allem weil die Stadt aktuell alle Projekte aufgrund der Corona-Krise auf den Prüfstand gestellt hat.

Bis dahin wartet auf die Archäologen noch viel Arbeit. „Da können schon einige Kubikmeter Fundmaterial zusammenkommen“, weiß Fries aus ihrer langjährigen Erfahrung. Auch wenn sie nur noch selten selber vor Ort an Ausgrabungen beteiligt ist. Und wer weiß, welche Schätze noch im Boden um Wildeshausen verborgen sind.

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 2 und 1?