Weiter Ebbe am Zapfhahn

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Gastronomen von der Corona-Krise mit am stärksten betroffen

Von Martin Siemer

Wildeshausen/Landkreis. Die Gastronomen waren die Ersten, die ihre Kneipen, Restaurants und Hotels schließen musste. Und sie werden vermutlich auch die Letzten sein, die wieder öffnen dürfen. Sofern sie den wochenlangen LockDown überstehen. Denn viele der Unternehmen, auch im Landkreis Oldenburg, haben schon jetzt große Sorgen. „Viele Betreibe sind extrem gefährdet“, sagt Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des DEHGOA Niedersachsen, im Gespräch mit unserer Zeitung.

In Niedersachsen ist das Gastronomiegewerbe extrem kleinbetrieblich strukturiert. „80 Prozent der Unternehmen machen einen Jahresumsatz von unter 250.000 Euro und beschäftigt maximal bis zu zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Eine Eigenkapitalbildung oder der Aufbau von Liquiditätsreserven sei schwierig und kaum möglich.

Mit den Einschränkungen, die Bund und Land erlassen haben, seien Hotellerie und Gastronomie komplett herunter gefahren. „Bei den Hotels ist im Tourismusbereich überhaupt nichts mehr. Und auch der Bereich für Geschäftsübernachtungen ist stark eingebrochen“, sagt Balke. Viele Unternehmen hätten ihren Außendienst stark eingeschränkt oder komplett eingestellt. Und Monteure weichen oftmals auf günstige Privatunterkünfte aus. „Bei den Häusern, die die Geschäftsübernachtungen im Zusammenhang mit Tagungen oder Schulungen anbieten, ist das Geschäft gleich Null.“

Zu diesen Hotels gehört auch das Hotel Gut Altona in Dötlingen, an der Grenze zur Stadt Wildeshausen. Das erst vor knapp zwei Jahren nach einem Brand neuerbaute Haus wird zum Großteil für Tagungen und Seminar gebucht. Die Betreiberfamilie Ahrmann hat aus der Situation das Beste gemacht. So kann man im Hotel Räume für sein HomeOffice mieten, tageweise, mit Internetanschluss, Kaffee und einer reizvollen Naturumgebung. Unter der Überschrift „Gut Altona für zu Hause“ hat die Küche des Hauses eine Auswahl an leckeren Gerichten zum sanften Erwärmen für zuhause zusammengestellt. Auf Wunsch wird im Umkreis von zehn Kilometern auch geliefert.

Auf dem Kläner Hof in Dötlingen sind die sonnigen Außenplätze im Garten oder auf dem Hof vor dem alten Bauernhaus zurzeit verweist. Dafür bieten Arnd Kläner und Sonja Scheele vom Kläner Hof ihre leckeren, selbstgebackenen Torten, Kuchen, Brote und Brötchen an den Wochenenden im Außerhausverkauf an. „Das läuft recht gut, auch weil wir schon vor Corona viele Stammkunden hatten, die sich bei uns ihren Kuchen geholt haben“, erzählt Arnd Kläner. Aber wie im Hotel Gut Altona ist auch das Außerhausgeschäft auf dem Kläner Hof nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Einnahmen decken nicht einmal die Kosten. „Damit kann man nicht mal zum Teil den Schaden kompensieren, der gerade entsteht“, sagt Rainer Balke.

Schon zu Beginn der Corona-Krise gab es Kritik aus Reihen der Gastronomie an den Förderrichtlinien. Anfangs hätten Gastronomen zunächst ihre liquiden Mittel aufbrauchen müssen, bevor es eine Förderung von Land oder Bund gegeben hätte. Diese Rücklagen würden aber in dem Moment fehlen, wenn das Geschäft wieder anläuft und die Gehälter gezahlt oder frischen Waren eingekauft werden müssen.

Mittlerweile haben sich die Fördervoraussetzungen geändert, Rücklagen und liquide Mittel bleiben in gewissem Rahmen unberücksichtigt. Trotzdem geht es bei vielen Unternehmen an die Substanz. Denn das gesamte Frühjahrsgeschäft mit Ostern, Konfirmationen oder Spargelessen ist weggebrochen. „Alle haben sich darauf gespitzt, dass am 20. April auch das Gastronomiegewerbe wieder langsam anfahren kann“, weiß Balke. Umso größer sei die Ernüchterung nach den Ankündigungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der vergangenen Woche gewesen. Die Schließung von Restaurants, Cafés oder Hotels kann sich möglicherweise noch bis in den Mai hineinziehen. Es sei schwer abzuschätzen, wie viele Unternehmen eine solch lange Auszeit verkraften werden.

Eine wenig Hilfe könnte eine Herabsetzung der Umsatzsteuer für Gastrobetriebe bringen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte einen solchen Vorschlag unterbreitet. „Das entlastet die Betriebe wenn sie wieder Umsätze generieren, ohne dass der Staat zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen muss“, betont Balke.

Im Überblick

Fälle gesamt 218 +2
Erkrankte aktuell 13 -2
Todesfälle 10  
Genesene 195 4
Quarantäne 149 -10

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